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Die Felder sind einfarbig und die Farbe der Kanji auf den Figuren ist etwas abgetragen. Die Partie schon so gut wie verloren. So viel erkenne ich trotz den Schwierigkeiten inzwischen. Aufgegeben wird aber nicht, deshalb studiere ich weiter das Shogi Brett. Meine beiden Generäle liegen auf Herrn Maedas Seite neben einigen anderen Figuren, die er laut den Regeln des Spiels jederzeit an einem Beliebigen Ort wieder einsetzen kann. Dies verschlechtert meine missliche Lage natürlich zusätzlich. Einzig ein verzweifelter Vorstoss auf der Rechten Seite könnte mich retten, jedoch nur wenn mein Gegenüber unvorsichtig wird. Auf einenmal frage ich mich warum Herr Maeda seinen Zug nicht endlich macht, hebe meinem Blick und merke endlich das er eingeschlafen ist.

Ich habe seit einiger Zeit nicht mehr geschrieben. Es war nur eine Woche in der kaum etwas passiert ist und auf einmal war ich aus dem Rhythmus gefallen. Viel Stoff zum schreiben hätte ich aber schon gehabt.

Nachdem ich mich entschieden hatte für längere Zeit von Tokio und damit auch von Fukushima wegzubleiben, habe ich mich daran gemacht hier in der Umgebung eine Arbeit zu finden. Einige Tage habe ich in einem Volunteer Center in Kobe gearbeitet. Dort habe ich Spenden in Kisten gepackt für die Erdbebenopfer. Nach kurzer Zeit wurde dieses Center jedoch geschlossen wieso habe ich nicht ganz verstanden. Ich glaube es wurde viel mehr gespendet und eingepackt als transportiert werden konnte.

Zu diesem Zeitpunkt hatte aber meine Organisation bereits eine neue Arbeit für mich gefunden. In einem Altersheim in Kobe. Dort ist meine Aufgabe eigentlich vor allem den alten Leuten die Langweile zu nehmen. Ich höre mir ihre Geschichten an von denen ich gerade anfangs kaum etwas verstanden hatte oder mir passiert etwas lustiges, was nur einem Ausländer passieren kann. Diese Arbeit ist manchmal etwas Emotional, manchmal stirbt jemand ohne das ich wusste das etwas anders ist als sonst.

Nur eine einzige Person in dieser Institution spricht English. Das hat mir enorm geholfen mein japanisch zu verbessern, gerade weil meine Aufgabe fast nur aus Reden besteht. Das hat mich auch zum lernen angetrieben. Nur lesen kann ich nichts, nicht einmal die Schlagzeilen einer Zeitung oder die Werbung im Zug. Inzwischen habe ich jedoch einige Läden mit englischen Ausgaben japanischer Zeitschriften und deutscher Bücher gefunden. Ich lese momentan gerne Bücher von japanischen Autoren. Ich glaube nicht das sie mir bevor ich hier war gefallen hätten. Viele Gefühle, Handlungen und Gespräche kommen einem vermutlich seltsam vor wenn man nicht hier ist. Mir helfen diese Bücher zwar nicht japanisch zu lernen aber sie helfen die Menschen und Zusammenhänge hier etwas besser zu verstehen.

Das Heim hat fünf Stockwerke. Die Leute im fünften Stock haben alle Alzheimer und für den Lift braucht man einen Code. Es ist jedes Mal eine grosse Fragerei wenn ich dorthin komme und alle freuen sich zum ersten mal einen Ausländer auf dieser Etage zu sehen. Im vierten Stockwerk sind Patienten mit Physischen Problemen, was sie haben weis ich meistens nicht. Hier sitzt auch Herr Maeda. Immer am selben Tisch und schaut zum Fenster hinaus auf Shinkaichi, ein grauer Vorort Kobes. Er hat mir japanisches Schach beigebracht. Das dritte Stockwerk verstehe ich nicht so richtig, den Leuten dort scheint es gut zu gehen und sie sind auch gut gelaunt. Fast alle schlafen jedoch mehr als in den anderen Stockwerken. Ausserdem wechseln die Patienten dort öfter. Im zweiten Stockwerk sind Tagsüber Senioren die Zuhause wohnen. Sie werden morgens abgeholt und abends nach Hause gekarrt. Dort ist immer viel los.

Ich arbeite in allen Stockwerken und mir wird viel gezeigt. Langweilig wird es nie. Ich bekomme einfach vieles nicht mit aber dafür haben alle Verständnis. Das Heim hat auch einige Senioren aufgenommen die das Erdbebengebiet verlassen mussten. Ich bin jeden Tag erstaunt wie freundlich und dankbar alle dort sind. Aller Schmerz und jede Situation wird mit einer enormen Würde ertragen.

Alles was du bekommst wird dir genommen werden. Alles was du erschaffst wird wird zerstört werden. Alles was du hast wird bedeutungslos sein.

Das habe ich in Eihei-ji gelesen, einem Buddistischem Kloster in den Bergen von Fukui. Es mag seltsam klingen aber in diesen drei Sätzen habe ich enormen Trost gefunden und sie haben mir auch geholfen die Japaner etwas besser zu verstehen.

Über Ostern sind wir nach Kanazawa gefahren. Eine wunderschöne Stadt mit vielen alten Vierteln und Märkten sowie einer Burg mit einem gigantischen Park im Stil simpler japanischer Perfektion. Auf dieser Reise habe ich auch das japanische Meer gesehen, bin mit meinem Gastvater über Reisfelder gejoggt und wir haben täglich drei Termalbäder im Hotel genommen. Ich habe sowieso richtig viele Orte gesehen aber noch interessanter als das sind die Leute die ich kennengelernt habe. Niemals hätte ich mir erträumen können, dass ich in meiner kurzen Zeit hier in Japan so viele Leute treffe und so viel über dieses Land lernen darf.

Ich habe viele Geschichten die ich erzählen möchte. Gleichzeitig möchte ich jedoch auch nur so viel schreiben, wie auch jemand lesen mag. Deshalb lasse ich es für Heute erst einmal gut sein. Wie gern ich schreiben würde, habe ich leider erst bemerkt als mein Computer vor ein paar Tagen kaputtging. Jetzt will ich jedenfalls wieder damit anfangen regelmässig hier etwas reinzustellen.

Baseball ist ein langweiliger Sport. Man muss es ganz ehrlich sagen. Besonders für Europäer, schliesslich kennen die meisten von uns kaum die elementarsten Regeln. Hier in Nishinomiya ist das jedoch ein wenig anders. Hier steht das Hanshin Koshien Stadium, wo jedes Jahr zweimal die High School Baseball Wettkämpfe Japans stattfinden.


Das erste Mal von Koshien gehört, habe ich schon in meiner ersten Woche in Japan. Jeder freute sich ein wenig darauf, Baseball ist der moderne Nationalsport und Schulbaseball ist den Japanern mindestens ebensowichtig wenn nicht sogar um einiges wichtiger als die professionellen Baseball Ligen. Das wusste ich alles bevor ich nach Nishinomiya kam.


Was ich jedoch nicht wusste, war das diese ganze Meisterschaft immer in einem einzigen Stadion stattfinden und von dort aus auf dem ersten Kanal des Staatsfernsehens ins ganze Land übertragen wird. Was ich auch nicht wusste, war das es seit fast 100 Jahren immer das gleiche Stadion ist und das dieses Stadion nur zwanzig Minuten von meinem Haus entfernt ist. Nishinomiya kennt niemand, aber wenn man dann sagt da sei das Koshien Stadion, weis sofort jeder Japaner wovon man redet.

Jedenfalls haben mein Gastvater und ich uns gestern unseren O-Bento (Lunchbox) vorbereitet und sind dahin. Ich glaube die Japaner mögen das Schulbaseball etwas mehr als die Profiligen weil die Schüler wirklich alles geben und es mehr um den Kampfgeist geht als um Perfektion und Geld. Wobei Geld schon auch eine Rolle spielt, Privatschulen sind meistens besser trainiert als andere und manchmal werden gute Spieler auch von einer anderen Schule umworben. Die Japaner fiebern deshalb meistens mit den öffentlichen Schulen etwas mehr mit.


Es soll etwas stiller sein im Stadion wegen des Erdbebens und wenn die Teams aus den Kriesenregionen spielen, etwas emotionaler zugehen als sonst. Das wurde mir jedoch nur erzählt, ich fand die Atmosphäre fröhlich und gut.

Ausserdem war ich seit meinem letzten Eintrag einige Male mehr in Osaka. Bei meinem ersten Besuch war ich von dieser Stadt nich unbedingt begeistert. Es gibt zwar viele beeindruckende Gebäude aber irgendwie kam mir die Stadt so leer, ja fast tod vor. Alles war sehr seltsam, ich dachte es seien vielleicht wegen dem Erdbeben weniger Leute auf der Strasse. Den Japanern denen ich gesagt habe der Bereich in Osaka um den Hauptbahnhof sei mir leer vorgekommen, war unverständlich was ich meine. Als ich jedoch erneut nach Osaka gegangen bin, habe ich herausgefunden wo alle Leute sind. Man kann vom Hauptbahnhof in Osaka unterirdisch jeden anderen Ort auf der Welt erreichen. Der Hauptbahnhof von Osaka befördert täglich mehr als 2.3 Millionen Menschen und jeder davon bewegt sich unterrirdisch. Man kann unterirdisch ins Büro arbeiten gehen und man kann ins Einkaufszentrum spazieren – oder in den Vergnügungspark. Osaka ist gut ausgerüstet, falls die nukleare Bedrohung diesen Ort auch erreichen sollte. Eigentlich ist es ein einziges grosses Gebäude. Ich kam mir vor wie in einem Ameisenhaufen.

Das ich hier über Basebal und Osaka schreibe, sagt wohl viel aus über die Situation im Zusammenhang mit dem Erdbeben und Fukushima. Niemand hier ignoriert das Problem oder spielt sie herunter, sondern man versucht einfach auch ab und zu an andere Dinge zu denken. Wasser kann man seit einigen Tagen schon nicht mehr in jedem Supermarkt kaufen und in jenen wo man es noch kann wird es meistens auf vier oder fünf Liter rationiert. Ausserdem sind manche Hausfrauen ganz aus dem Häusschen weil das Gemüse (besonders Spinat) und die Milch hier viel billiger wurde. Aus der Region Fukushima kommen die zwar hier nicht aber viele Leute scheinen sich nicht mehr so ganz wohl zu fühlen, wenn sie diese Dinge essen.


Ich habe mich nun entschlossen hier zu bleiben und zumindest in den nächsten Monaten nicht nach Hiratsuka zurückzukehren. Die Familie bei der ich hier wohne hat mir schon vor langer Zeit angeboten für meinen ganzen Aufenthalt hier zu bleiben und das mache ich jetzt auch. Traurig die andere Familie in Hiratsuka einfach so zurückgelassen zu haben, bin ich schon. Sie haben unglaublich viel für mich gemacht und sich enorm viele Dinge vorgenommen die sie mit mir unternehmen wollten. Daher hoffe ich wirklich das sie meine Entscheidung verstehen werden und nicht denken es hätte etwas mit ihnen zu tun.


Der Vater meiner neuen Gastfamilie hier in Nishinomiya arbeitet für Kepco, dem Stromversorger der Region Kansei. Dies ist das Gegenstück zum Unternehmen Tepco welches die Region rund um Tokio versorgt. Ausserdem ist Tepco der Betreiber Fukushimas und die momentane Verkörperung des Bösen für unsere westliche Antiatomkraftbewegung.


Auch Kepco hat einige Atomkraftwerke und mein Gastvater arbeit in der Werbeabteilung. Seine Loyalität zu seinem Unternehmen und auch zu Tepco, mit welchem seine Firma öfter einmal zusammenarbeitet, war als ich hier in den ersten Tagen nach den Erdbeben ankam unerschüttert. Er war der absolut festen Überzeugung die Verantwortlich würden die Lage in kürzerster Zeit wieder unter Kontrolle haben. Gleich am ersten Abend erklärte er mir auch ganz genau was in den Reaktoren um Fukushima passiert sei. Verkaufen kann er wirklich gut aber er hatte auch nicht mehr Informationen als ich sie aus den Nachrichten hatte und ich war um einiges skeptischer als er.


In den letzten zwei Wochen konnte man einen sichtbaren Resignierungsprozess an ihm mitverfolgen. Ein Japaner kündigt natürlich nicht einfach seine Anstellung aber das er sich immer unwohler fühlt ist deutlich festzustellen. Schliesslich hat er in seinem gesamten bisherigen Berfusleben nichts anderes gemacht als den Japanern Atomkraft als sicher und zukunftsträchtig zu verkaufen. Er wirkt jedoch nicht depressiv, nur wie jemand der auf einmal feststellt das seine Zukunft und die seiner sehr jungen Familie viel ungewisser ist als er sie sich vorgestellt hat.

In den letzten Tagen unterhalte ich mich oft mit ihm über erneurerbare Energien, minergie Häuser, Grossheizungen, Stromsparlösungen und den Sinn und Unsinn von Gaskraftwerken. Er kennt das alles, sagte mir jedoch vor zwei Wochen noch die Japaner würden niemals höhere Energiepreise in kauf nehmen. Gestern jedoch meinte er bereits, alle in seinem Unternehmen denken nun über diese neuen Wege um von der Atomkraft wegzukommen nach, auch jene die vor einem Monat noch darüber gelacht hatten. Wie er selbst auch.

Bilder werden vergrössert wenn man drauf klickt.

Weiterführende Links (english):

Das Koshien Stadion in Nishinomiya: http://en.wikipedia.org/wiki/Koshien_Stadium

Osaka Station: http://en.wikipedia.org/wiki/%C5%8Csaka_Station

Er kam sich vor wie der verdammte Stauffenberg, wobei jener wenigstens gewusst hatte was er tat oder tun wollte.

Er sass auf seiner Bank im Park und starrte auf den kleinen See hinaus. Ein kleiner Junge warf in der Nähe Steine in das ansonsten ruhige Wasser.

Gestern Nacht wurde ihm alles klar. Wieso sie plötzlich hierher gekommen waren, wieso er plötzlich mehr Freizeit bekommen hatte und das alles war tat von jemand anderem längst geplant gewesen war.

Plötzlich wurde ihm bewusst wie klein er war.

Er hatte sie unterschätzt. Niemals hätte er geglaubt dass sie irgendetwas wissen konnte.

Mitten in der Nacht war er aufgestanden und hatte den Computer angemacht, mitten in der Nacht hatte er herausgefunden was sie alles herausgefunden hatte.

Zu viel. Es war zu kurz davor um etwas anderes zu tun als dies. Zu viel, zu späht.

Er sah sie schon von weitem.

Sie schien keine Angst zu haben, näherte sich leichten Schrittes und setzte sich neben ihn. Ihr Gesicht zeigte kaum Gefühle, wie immer.

Sie legte seine Hand auf seine und fragte ihn ob er nur deshalb gekommen sei.

Er spürte wie er blasser und blasser wurde, wie sich seine Kehle zusammenzog.

Sie erklärte sie könnten doch einfach weggehen von dem allem, sie könnten weit weg gehen und ein normales Leben führen.

Er sagte nichts, er konnte nicht.

Sie sprach davon dass sie kaum jemandem erzählt hatte was sie wusste und niemals etwas davon in ihrer Zeitung schreiben würde.

Er fragte sie warum sie hierher gekommen sei. Er blickte in ihre dunklen, wundervollen Augen hinein und fragte wütend warum sie nicht einfach habe verschwinden können. Warum sie gewartet hatte obwohl sie wusste wer er wirklich war und warum sie…

Sie lächelte stumm und strich eine Strähne seines schweissnassen Haars aus seiner Stirn. Ich liebe dich, ich habe dich immer geliebt. Ich weiss was ich weiss nur weil ich wissen wollte was aus dir geworden war.

Ein verdammter Terrorist.

Wir werden einen gewaltigen Umsturz herbeiführen, wir werden alles verändern was einmal war, wir werden verändern wie es einmal sein wird. Ich bin nur ein Blatt im Wind, genau wie du. Doch dies ist meine Vision, dies ist mein Leben. Du weisst das.

Sie küsste ihn.

Er roch ihren Duft, fühlte ihren Körper, sie war überall um ihn herum.

Sie hielt inne und fragte ob es weh tun würde.

Er erklärte ihr sie sei bereits tot seit sie sich gesetzt habe, das Gift beginne in einigen Minuten zu wirken. Sie würde einfach einschlafen.

Sie lächelte. Werde glücklich.

Er bereute nur ihr nie gesagt zu haben dass er nicht deshalb wiedergekommen war.

Als ihre Leiche auf dem Grund des Flusses geborgen wurde, war er längst in einem Land weit weg von dort, mit Frauen ganz anders als sie.

Um zu vergessen.

Dies ist ein Kapitel der abgeschlossenen Kurzgeschichte Wiederkehr im Sommerregen

Bis die beiden sich wiedersahen verging eine ganze Woche.

Er hatte viel zu tun, redete er sich zumindest ein und es war heiss gewesen. Wenn es heiss war fühlte er sich immer sehr träge. Nach der Arbeit kam er jeweils in seine kleine Wohnung und war nicht fähig irgendetwas Wichtigeres zu erledigen. Er schlief jedoch auch nicht viel.

Da sass er also, vor dem Telefonhörer im Wohnzimmer.

Er hatte kein Mobiltelefon für private Zwecke. Ihm erschien der Gedanke enorm unromantisch den ganzen Tag erreichbar zu sein, auf der Arbeit jedoch war es unausweichlich geworden. Leuten die er nicht von der Arbeit kannte gab er jedoch einfach die Nummer nicht, es waren ohnehin nicht viele.

Er überlegte was er ihr sagen sollte.

Er war weit gereist und hatte viele Menschen kennengelernt und auch wieder vergessen. Irgendwann hatte er jedoch, praktisch am Ende der Welt seinen Cousin Jean getroffen. Dieser war durch die Gründung eines sehr modernen Unternehmens sehr reich geworden. Weil er sich immer gut mit Jean verstanden hatte, verbrachten die beiden von da an viel Zeit miteinander.

Jetzt arbeitete er für seinen Cousin, als so eine Art persönlichen Manager oder Butler. Gleichzeitig war er jedoch auch sein Vertrauter, der dafür sorgte das die Unternehmung sowie auch ihre gemeinsame Organisation, die sich stets am Rang der Legalität bewegte zumindest nach aussen ein gutes Bild abgab.

Robin Hood hielt sich schliesslich auch nicht an Gesetze.

Menschen zu helfen war immer sein Traum gewesen, seine Vision. In seiner Heimat hatte er sich jedoch stets sehr eingeengt gefühlt. Irgendwann war er einfach gegangen, ohne vielen viel zu sagen. Nur einigen recht wenig. Jetzt war er hier, seinen Traum hatte er auf der einen Seite aufgegeben, auf der anderen verfolgte er ihn eigentlich jeden Tag.

Aus dem helfen vieler Menschen war das dienen einiger wenigen geworden, mit der Hoffnung damit vieles zu verändern.

Er nahm den Hörer und wählte ihre Nummer.

Sie war irgendwie anders, wenn auch im Grunde genommen ähnlich. Sie hatte seine grossen Träume nie geteilt oder sie dachte einfach weniger  grossflächig. Im Gegensatz zu ihm hatte sie sich stets eingestanden dass man die Welt nicht verändern konnte, doch trotzdem half sie allen Menschen die sie traf in ihrem Alltag. Ihren Nachbarn und Freunden, manchmal glaubte er sie war sich dessen vielleicht gar nicht so recht bewusst.

Er hatte dies nie getan, jenen Menschen die ihm eigentlich sehr nahe standen hatte er nie besonders viel geholfen, er war zwar immer freundlich aber gleichzeitig sehr distanziert und zurückhaltend.

Sie war herzlicher, hatte er zumindest geglaubt.

Er war nicht gut am Telefon, es machte ihn sehr nervös es benutzen zu müssen. Es gab immer diese ekelhaften Pausen wenn niemand was sagte und dann konnte man nicht einmal lächeln. Für Private Dinge benutzte er es nur wenn es wirklich nicht anders ging. Oft ging er gar nicht ran wenn er Zuhause war und jemand anrief.

Hallo ich bin nicht Zuhause, hinterlasse eine Nachricht oder ruf später wieder an.

Hey, hm… Ich hab an dich gedacht. Ja, eigentlich denke ich die ganze Zeit an dich. Ich werde heute in den Park gehen, ist ein schöner Tag. Ja, ein wirklich schöner Tag, nach der Arbeit werde ich in den Park gehen, ich sitze immer noch am selben Platz. Vielleicht kommst du ja vorbei, bis dann.

Er legte auf.

Dies ist ein Kapitel der abgeschlossenen Kurzgeschichte Wiederkehr im Sommerregen

Er ging nach Hause.

Es hatte wieder ein kleines bisschen angefangen zu Regnen, Blitze und Donner hörte man jedoch nur noch aus der Ferne. Nachts hatte dieser Regen auf einmal etwas sehr melancholisches. Sein Haar war heute nie trocken gewesen, seit…

Er ging nach Hause, allein.

Natürlich hätte er auch den Bus nehmen können, doch er mochte es überaus gerne zu Fuss nach Hause zu kommen. Denn so konnte er über viele Dinge nachdenken. Manche Leute sagten ihm immer wieder jenes nachdenken sei nicht gut für ihn. Sie sagten er denke über zu viele Dinge nach, er müsse lernen so manches einfach zu akzeptieren.

Er dachte daran all seine Freunde auf einmal an einem Ort zu versammeln, er dachte darüber nach wer sich wohl besonders schlecht mit wem verstehen würde. Natürlich wollte er das nicht wirklich tun, er mochte nur den Gedanken wirklich alle Leute mit denen er je gut ausgekommen war zusammen zu sehen, keiner würde absagen, in dieser Vorstellung.

Er lächelte und bog in eine Seitenstrasse.

In der Realität würde kaum ein Drittel tatsächlich erscheinen.

Aber sie würde da sein. Er würde sich nur auf sie konzentrieren und alle anderen vergessen, wer wollte das schon?

Es war schon so gewesen als er sie das erste Mal gesehen hatte aber bei ihm war das bei vielen Frauen so wenn er sie das erste Mal sah. Das besondere war viel mehr das es länger angehalten hatte.

Er ging die ganze Hauptgasse hinunter und verfolgte das wilde Treiben des fliessenden Regenwassers auf der Strasse. Es erinnerte ihn an etwas, was vor längerer Zeit durch die Gassen einer anderen Stadt geflossen war.

Es war sein Beruf. Sein Beruf hatte ihn ständig von ihr weggetrieben und von allen anderen die er sowieso  nicht hatte wiedersehen wollen. Doch bei ihr tat es ihm leid. Alle anderen redeten dauernd über Häuser die man doch kaufen sollte, Kinder die man haben müsse und Kirchen in denen man heiraten sollte. Er wollte das grundsätzlich auch, doch irgendwie kam es ihm nicht richtig vor, noch nicht.

Sie lies ihm Zeit.

Er war noch nicht viel mehr als das Kind, von dem die anderen Leute ihm sagten er sei es einmal gewesen.

Er erreichte seine Wohnung und schloss die Tür auf.

Ein richtig schlechter Mensch war er nicht, ein richtig guter auch nicht. Er glaubte ohnehin nicht an gute oder schlechte Menschen, eigentlich nicht einmal an gute oder schlechte Taten. Doch viele Menschen taten das und dies war der Grund warum er tat was er tat: Er half Leuten.

Er hängte seine Jacke über den Stuhl wie er es jeden Tag tat. Dann ging er ins Wohnzimmer, schenkte dem dort hängenden Symbol für einen Gescheiterten Freiheitskampf oder eine Revolution mit blutigem Ausgang ein Müdes Lächeln. Dieser junge Mann der dort mit seinen Einkaufstaschen vor einer Reihe Panzern stand und keinen Anschein machte sich zu bewegen, hatte auf der einen Seite den grösstmöglichen Respekt verdient den ein Mensch je erreichen konnte. Auf der anderen Seite erinnerte er ihn manchmal an ihn selbst. Er motivierte ihn jeden Morgen aufzustehen und das weiterzumachen was er tat.

Das tat der Tankman wohl für so einige Leute.

Er nahm eine Dusche, diesmal warm.

Bevor er sich schlafen legte verfolgte ihn vor allem der Gedanke, ob sie ihn von dem abhielt was er tat. Es dauerte eine Weile, doch schliesslich löste er sich von seinem Computer Bildschirm und legte sich schlafen.

Wie lange es gedauert hatte bis er einschlief, hatte er am nächsten Tag wie die meisten Menschen in solchen Fällen schön längst vergessen.

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Er hatte Freunde die in Mittelalter Clubs und Sience Fiction Vereinigungen mitmachten, sich deshalb regelmässig zu Rollenspiel Events trafen um gemeinsam, irgendwo in einem Wald oder unbenutzten Kellerräumen, Abenteuer zu erleben oder ihre  Weltraumschlachten zu schlagen. Andere Freunde von ihm gingen einmal am Tag ins Fitnessstudio, um sich mit Anabolika und Steroiden voll zu dröhnen nur um danach im Spiegel den Muskeln quasi beim Wachsen zusehen zu können. Er kannte Leute die Tag und Nacht mit Videospielen verbrachten und andere die obwohl sie gleich alt waren wie er immer noch daran glaubten einmal Basketballstar zu werden. Andere bauten Modelleisenbahnen oder hielten Ausschau nach Alien Funksprüchen. Alles Leute die sich selbst ernst nahmen.

Er beneidete sie alle ein wenig. Neid darauf dass diese Menschen irgendetwas hatte was ihr Leben auszufüllen schien und ihnen das Gefühl gab wichtig zu sein. Etwas was für sie alle die verlorene Religion dieser Gesellschaft ersetzte. Obwohl er vieles erlebt hatte, musste er sich eingestehen nie so etwas gehabt zu haben.

Ein Mann ohne grosse Träume, der trotzdem stets davon ausgegangen war irgendwann die Welt verändern zu werden. Heute entlockte ihm jener Gedanke nur noch ein müdes Lächeln, die Welt verändern…

Er stand da und putzte das Gemüse.

Karotten, Rübenkohl und Broccoli. Er dämpfte alles nur kurz in ein wenig heisser Brühe, so dass es schön bissfest blieb, denn sie hasste matschiges Essen. Sie hatte kein Fleisch im Haus gehabt, deshalb gab es einfach Teigwaren und eine Pilzsauce, mit dem Gemüse eben.

Er fragte sich warum sie nicht zu ihm gegangen waren.

Auf dem Weg ins Wohnzimmer um den Tisch zu decken sah er sie auf ihrem alten Polstersessel vor dem nicht brennenden Kamin sitzen. Sie hatte die Lesebrille mit dem grossen schwarzen Rahmen auf und las in einem Buch, er stellte einmal fest dass er es aus irgendeinem Grund mochte wenn sie diese Brille trug. Wieso wusste er nicht.

Er stellte fest dass ihr alter Eichenparkettboden immer noch an derselben Stelle fürchterlich knarrte. Sie sah auf und lächelte, er lächelte ebenfalls und stellte fest das man jetzt essen könne.

So sassen sie dann da, sie rühmte sein Essen und er wusste das sie dies auch getan hätte wenn es schlecht gewesen wäre, musste sich jedoch eingestehen das ihm mit den wenigen Dingen ein recht gutes Abendessen gelungen war. Nur Wein für die Pilzsauce hatte er keinen finden können.

Er goss sich und ihr Wasser nach.

Sie hatte eigentlich sowieso nie Alkohol im Haus.

Er eigentlich auch nur selten.

War ich dir eigentlich nie zu normal?

Sie lachte, du? Normal? Wie kommst du darauf?

Er stellte mit Erstaunen fest wie verlegen ihn ihre Amüsiertheit machte. Er versuchte sich zu erklären und scheiterte.

Sie lächelte erneut.

Du warst einfach nicht da. Dein einziges Problem war das du einfach nicht mehr da warst.

Er wusste das und verfluchte erneut die Umstände die ihn dazu gebracht hatten einfach so zu verschwinden. Umstände die er ihr niemals einfach würde erklären können, die er all den Frauen vor ihr auch nicht hatte erklären können. Die Umstände die normalerweise der Grund waren wieso er nicht zurückkehrte, doch diesmal hatte er es getan.

Alles wegen ein bisschen Sommerregen.

Dies ist ein Kapitel der abgeschlossenen Kurzgeschichte Wiederkehr im Sommerregen

Hier gibt es motivierte Lehrer die einem auch nach dem Unterricht noch helfen eine Reise zu planen oder dir mit viel Geduld zu erklären versuchen wo du am billigsten Essen herbekommst. Im Bus bietet jeder alten Leuten und Eltern mit Kindern den Sitzplatz an und sollte irgendjemand auf die Idee kommen dies nicht zu tun, wird er umgehend vom ganzen Bus dazu aufgefordert. Hier bedankt sich jeder beim Busfahrer fürs fahren bevor er aussteigt. Hier wird dir im Supermarkt alles eingepackt, du bekommst im Restaurant immer Eiswasser ohne etwas zu bezahlen und es kommt dir so vor als würden sich die Leute wirklich freuen dass du da bist. Hier sieht dich jeder schief an wenn du in Erwägung ziehst das Wechselgeld das du zu viel bekommen hast nicht zurückzugeben. Vielleicht ist es nur weil ich hier nicht in einer Grossstadt oder ganz auf den Land bin, vielleicht ist es auch weil ich in einer Stadt Lebe in der man mehr Anti Kriegs aufrufe auf Kleidern als US Flaggen an Häusern sieht. Vielleicht auch weil das Evergreen College seinen Namen nicht umsonst trägt, aber ich finde Amerika nicht so schlimm. Eigentlich mag ich es hier, immer noch.

Die Leute sind einfach viel direkter als Zuhause, das kann zwar durchaus seine negativen Seiten haben aber eigentlich komme ich damit bisher sehr gut zurecht. Der Bus komm immer zu späht, man muss immer Trinkgelgeld zahlen, was überhaupt kein Sinn macht, wenn man es sowieso geben muss und es ist seltsam wie die Ampeln für Fussgänger hier funktionieren, so ganz begriffen hab ich es ja noch nicht.

Ulis, eigentlich Bjong Yang ist Sükoreaner, er wohnt im 27. Stockwerk eines Wolkenkratzers in Seoul und war ziemlich erstaunt als ich ihm Bilder meines Hauses zeigte. Wir waren heute zusammen in Seattle mit ein paar anderen. Er war auch im Militär, aber ich denke in Südkorea im Militär zu sein ist etwas ganz anderes als in der Schweiz, die könnte es vielleicht ja irgendwann brauchen, uns irgendwie nicht, ausser die Welt wäre eh im Arsch. Er spielt Ragnarok, so ein Online Spiel das ich eine Weile gespielt habe und war richtig begeistert davon dass ich das kenne. Er ist ziemlich gut in Age of Empires 2 und hat mir auch noch erzählt das Starcraft in Nordkorea eine der beliebtesten Sportarten ist. „Sport“.

Meine Gastmutter hat Mccain gewählt, aber nur weil sie Obama für zu gut und ein wenig naiv hält. Sie sagt aber das sie wusste das Obama in Washington gewinnt, auch darum habe sie für die Republikaner gestimmt, sie möge das zwei Parteien System und es soll ausgewogen bleiben. Als ich mit Ken über Politik spreche lacht er nur und sagt Politik sei nur für korrupte Leute.

Ich esse vor allem asiatisch seit einer Weile, ist irgendwie das einzig wirklich normale hier, ausserdem sind 80% meiner Freunde Asiaten, der Rest sind Hispanics und ich mag mexikanisch nicht besonders. Ich habe heute Schweizer gesehen, meine Freunde auch aber ich hab nicht hallo gesagt, ich mag keine Schweizer mehr, für den Moment. Auch deutsche nicht, von denen hab ich aber noch keine getroffen die Deutsch gesprochen hätten.

Heute war ich in Seattle selbst, zum ersten Mal. War ziemlich toll, nur das Wetter wollte nicht so, deshalb waren wir einfach im Sience Fiction Museum und im Markt wo ich eine Ocarina Stand fand und dort leise das Epona Theme gepfiffen habe als die Verkäuferin das hörte hat sie es mir sofort mit der Ocarina nachgespielt. Ich hätte gerne eine gekauft, sie waren aber etwas teuer. Wir gingen dann essen und am Nachmittag shoppen, viel hab ich hier aber nicht gekauft. Die meisten Leute sagen zum shoppen sollte man nach Portland gehen, Oregon hat nämlich keine Steuern, Washington schon. Ken, Mai, Ulis und die anderen haben noch Visas für Vancouver machen lassen und ich denke wir werden auch noch nach San Francisco gehen, meine Gastmutter meinte sie kommt recht günstig an Flugtickets ran. Nächste Woche denke ich aber wir gehen entweder noch einmal nach Seattle oder nach Portland, ist beides etwa gleich weit weg von hier. Für die Nationalparks in den Bergen und die San Juan Islands ist es noch zu kalt und alle sagen  im April regnet es nicht mehr, noch hab ich ja viel Zeit. Es ist erst eine Woche um und mir kommt es vor als wäre ich schon ewig hier.

Im ersten Starbucks aufgemacht wurde war ich heute auch noch drinn, die Asiaten wollten unbedingt 10 Minuten für eine Heisse Schokolade, „Hotschoclat“ wie sie sagen anstehen, ich glaube die können nicht anders bei solchen Dingen. Irgendwie hat es aber auch etwas gemütliches, sie nehmen sich immer Zeit, auch wenn es nur darum geht das erste Ohr von Mickymaus das gezeichnet wurde anfassen zu dürfen, dann freut man sich und fühlt sich gut. Ich würde ohne die einfach durch alles durchrasen um mich zuhause zu langweilen. Besser als Schweizer Schokolade ist aber auch die heisse Schokolade aus dem ersten Starbucks Coffee trotzdem nicht.

Das hier ist dann also Amerika, die grossen verhassten vereinigten Staaten, Washington State Olympia Town. Der Taxifahrer der mich vom Flughafen abholt weis dass der Name Jan eigentlich aus Skandinavien kommt, dass die Schweiz vier Landessprachen hat und dass diese seltsamen Smart Autos von denen eines zwischen den vielen Pick Ups an uns vorbeifährt, eigentlich aus der Schweiz kommen. Er glaubt wir haben die gebaut weil wir so kleine Strassen und Autobahnen haben, unsere Strassen wurden ja ursprünglich für Pferd und Wagen gebaut, nicht wie hier, erklärt er mir.

Ich glaubte eigentlich, ich könnte kein Wort Englisch aber es geht sehr gut. Der Umstieg von Militär hierhin ist etwas gross, dafür erscheint mir alles viel besser denke ich. Die Familie bei der ich wohne verstehe ich ehrlich gesagt noch nicht ganz, aber sie sind auf seltsame Weise ziemlich interessant. Die Mutter und die Tochter sind Amerikanerinnen wie man sie sich vorstellt, kochen und essen auch so. Valerie, dass ist die Mutter, hat mir gestern erzählt das sie zwei Mal Zwillinge bekommen hat, sonst keine Kinder. Ich hab ein wenig gelächelt, erstaunlich ist es ja schon. Danach hat sie mir erzählt dass ihr Sohn auch zweimal Zwillinge hat.

„But we’re not takin any pills Jan. “, sagte sie lachend.

Auf den Familien Fotos und in allen Gesprächen hat sie nie auch nur am Rand den Vater ihrer Kinder oder gar ihren Mann oder irgendetwas in der Art erwähnt, wenn ich nicht wüsste das man sowas aus biologischer Sicht in den meisten Fällen braucht, würde ich annehmen sie wäre selbst auf die Idee gekommen Kinder auf die Welt zu stellen. Der Keller meiner Gastfamilie ist eigentlich ein kleines Apartment für Austauschstudenten wie mich, eigentlich hätte es hier vier Zimmer aber im Moment sind wir nur zwei.

Ken kommt aus Thailand, er braucht Morgens für das Frühstück 20 Minuten, im Bad weitere 15 und hat sich danach eigentlich immer noch weder angezogen noch seine Schulsachen zusammen. Er hat mich als erstes als wir uns sahen gefragt ob ich ihn morgens wecken kann, weil für ihn sei sowas sehr schwer. Er hat es bisher nie geschafft den richtigen Bus nach Hause zu nehmen, genau jetzt telefoniert er mit Valerie weil er in die nächste Stadt gefahren ist mit dem Bus. Aber ich mag ihn, er ist immer gut drauf.

Das Evergreen College ist fantastisch, mitten in einem Wald voller Hirsche, mir sind davon schon fünf über den Weg gelaufen, es ist ein riesiger Campus und es scheint alles recht neu zu sein. Es gibt dort die grösste Bibliothek in der ich je war, eine hübsche Cafeteria, einen Bookstore, alle Zeitungen sind Gratis, ich kann Steuerfrei Dollars beziehen, es gibt ein Gym sowie ein Schwimmbad und eine Turnhalle was man alles jederzeit benutzen darf. In der Sprachschule gibt’s vor allem Leute aus Asien, aber auch einige Südamerikaner und wenige Europäer. Ich glaube bisher erst einen Deutschen getroffen zu haben, der aber erstaunlicherweise und vielleicht zum Glück nicht angefangen hat Deutsch mit mir zu sprechen. Mir gefällt es eigentlich richtig gut hier, nur das Essen ist echt mal mies und ich habe bisher nirgends Wasser gefunden das man trinken kann. Ach ja und der „Orangensaft“ den meine Gastfamilie hat ist ne Mischung aus Wasser und Glucose mit 2% Orange…steht so drauf, wie kann man sowas kaufen? Aber wie gesagt, eigentlich mag ich es hier.

Müde bin ich, stehe da

So Müde war ich nie zuvor.

Müde bin ich, hoffentlich nicht immerdar,

Hoffentlich ists nicht zu viel was ich hier verlor.

 

Hoffentlich nicht zu viel von mir,

vom guten Morgen schreien, jeden Morgen, stets im Chor.

Vom Daumen der in der Achtungsstellung Millimeter genau angelegt sein muss,

Hoffentlich bin ich danach wieder mich selbst, ohne Müdigkeit und ohne Wut.

Hoffentlich ist es danach einfach vorbei, einfach weg und einfach gut.

 

Wir sollten fliehen, über gelbe Narzissen Wiesen,

weisse Schneeglocken Auen,

wir sollten grün strahlenden Feldwegen folgen

und breite Waldranddickichte durchqueren.

 

Wir könnten in Grashalmheinen stehen,

Wörter drechseln, auf den Abend warten.

Mit dir im Stern licht, Tümpel grün strahlenden Moossteinen,

Herrn Buttermond bewundern.

 

Doch noch ist es dafür zu früh,

zum gehen, zu kalt,

zum wandeln, zu verboten,

zum sein. Noch müssen warten, auf die Narzissen die erst kommen werden.

 

Nur noch kurz, dann fliehen wir.

Nur noch kurz, dann komm ich überall hin,

nur noch kurz, dann gehe ich dort hin mit dir.

Nur noch kurz und ich glaube dann Hoffentlich wieder an alles, wie zu Beginn.

Ich schlafe nicht, ich höre, ich rieche, ich fühle nur.

Liebe Stille, Sehnsucht ich vermisse Dich. Zeit zu denken, liebte ich. Kaum zu glauben wie sie rasend hier vergeht. Wie nichts tun sie frisst, niemand versteht. Wie schnell man hier sich selbst vergisst. Veränderung, plötzlich hier, in der ich mich noch selbst verlier. Kann man nicht sagen was mit mir geschah, seit ich hier bin und du mir nicht Nah.

Man gefriert nur und weis es nicht, man sagt mehr mit weniger Inhalt wohl. Man wird was anderes als man war, ein glattes Stück, helles Eis aussen durchsichtig und doch nicht hohl. Ich warte auf den Frühling, Schneeschmelze mag kommen, mich wecken.

Ich schlafe nicht, ich höre nur den Lärm der anderen, rieche vierzehn andre neben mir, ich fühle nur das schmale Bett und das kleine Kissen. Nachtlied, wache. Ich will weg von hier und nie mehr hin.