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Der Junge fragte den Alten wieso denn bloss, man mehr Nächte in einem Leben habe, als Platz für sie in der Erinnerung.

Gerade als der Ergraute zu einer Lektion über die essenzielle Wichtigkeit der Macht des Vergessens, ansetzen wollte, beschloss er, dass dies zu lange dauern würde. Der Junge würde ohnehin alles selbst herausfinden.

Also zuckte er einfach die Schultern.

Der Junge verstand die Gnade des Vergessens nicht. Er wollte nicht Erinnerungen zurücklassen dürfen.

Er reiste viel, vergas jedoch meist das Erlebte. So verlor er die Geschichten jener Abenteuer, noch vor dem Titel seiner Jugend.

Später wurde er vom Vergessen angetrieben. Er wollte alles besser machen und sich auch alles gescheiter merken.

So zog er erneut los, sah noch mehr und erlebte unvorstellbares. Doch diesmal wurden seine Wege so lang, das er kaum zu Hause angekommen, so Manches schon vergessen hatte. Nur weil er auch die Widrigkeiten und Strapazen stets vergass, zog er aber immer wieder los.

Bis zu jenem Tag, als er zu alt zum Gehen wurde.

Als der Junge ihn fragte, warum man denn vergisst, beschloss er also es bei einem Schulterzucken zu belassen.

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So langsam habe ich mich hier in Japan richtig gut eingelebt. Am Freitag vor einer Woche war ich auf der Stadtverwaltung von Hiratsuka und habe mich da angemeldet. Nun geht es noch zwei Wochen bis ich meinen Immigrationsausweis bekomme, damit kann ich dann die sechs Monate in Japan bleiben. Ich brauche diesen Ausweis auch um ein Bankkonto eröffnen zu können und um ein Mobiltelefon kaufen zu können. Solche Dinge sind in Japan enorm kompliziert wie ich finde.

 

Das schwierigste ist und bleibt vermutlich auch das lesen. In Orten wo es nicht viele Ausländer gibt, ist eigentlich alles ohne westlliche Buchstaben geschrieben und selbst kleine Dinge wie ein Busfartplan werden auf einmal schwierig. Aber obwohl mein Japanisch natürlich immer noch sehr dürftig ist ( obwohl ich schon mehr kann als ich gedacht hätte ) kann ich eigentlich immer irgendwie mit den Menschen kommunizieren und da die Japaner bekanntlich seh hilfsbereit und freundlich sind, habe ich bisher immer alles recht einfach gefunden.

 

Letztes Wochenende war ich mit meiner Gastfamilie am Strand und wir haben Beachvolleyball gespielt, Tee getrunken und Muscheln gesammelt. Ich habe einen Stein gefunden der aussieht wie ein Stück Quarktorte, der kommt jetzt immer mit auf den Tisch wenn es etwas süsses gibt und wird auch sonst von den Mädchen als „Cheesecake“ verehrt. Ausserdem hat mir letztes Wochenende ein Freund Yokohama gezeigt. Da er da wohnt, kennt er alles sehr gut. Wir sind zu Fuss durch die Stadt geschlendert. Vom Bordellviertel ganz unten in der Stadt durch China Town, bis zu einem gehobeneren Stadteil mit Blick auf die Brücke über die Yokohama Bucht, welche die Präfekturen Kinagawa und Tokyo miteinander verbindet. Dann sind der Bucht entlang zurück ins Zentrum Yokohamas geschlendert oder getorkelt.

 

Am Sonntag vor einer Woche war ich dann mit der Familie beim Tokyo Maraton. Obwohl ich bekanntlich kein grosser Läufer bin, war das ein ziemlich beeindruckendes Erlebnis. Vermutlich ist das bei jedem Maraton in einer Grosstadt ähnlich, trotzdem war ich von der puren Masse der Teilnehmer und Zuschauer beeindruckt. Ausserdem war es ganz interessant zu sehen wie die masochistischen Japaner und Japnerinnen nach 42km immer noch lächeln, während alle anderne nur noch leere Gesichter haben und sich in sich selbst zurückgezogen haben.

 

Letzte Woche habe ich dann angefangen im Kindergarten zu arbeiten. Ich habe mir einen Kindergarten in Japan anders vorgestellt. Ich dachte da läuft sicher alles enorm strukturiert ab und den Kindern werden strenge Regeln eingetrichtert. Dem war aber nicht so, ich war eher erstaunt über den offenen Weg mit dem die Lehrer versuchen den Kindern das erste Wissen zu vermitteln und über die Energie die aufgewendet wird damit sich jedes Kind wohlfühlen kann. So haben zum Beispiel letzte Woche die Lehrer jedem Kind einen persönlichen Brief geschrieben und für eine kleine Zwischenjahreszeremonie haben die Kinder, die Mütter und die Lehrer jeweils als Gruppen richtig grosse Theater eingeübt. Etwas was bei uns nicht einmal am Ende des Schuljahres geschieht. Ausserdem wird auch jeden Mittag in der Schule gegessen.

 

So langsam kommen auch die ersten Kirschblüten zum Vorschein. Es ist faszinierend welche Liebe und Zuwendung die Japaner, durch alle Schichten und Generationen für diesen Pflanzenteil aufwenden. Kirschblüten haben viele Bedeutungen auf einmal. Sie stehen für die Hoffnung auf das Ende des Winters und den Aufbruch in den Frühling, für Schöhnheit und für deren Vergänglichkeit. Fast die Hälfte aller Laubbaume die in Japan stehen sind Laubbäume und sobald die Kirschblüten richtig rauskommen wird alles Pink sein. Etwa 70% der Japaner haben eine Blütenstauballergie, das tut der Freude an den Kirschblüten jedoch keinen Abbruch.

 

Am Freitag war ich mit meinem Gastvater und seinen Arbeitskollegen Fussball spielen und am Samstag mit anderen Arbeitskollegen Baseball. Beides war lustig, ich hatte dann aber auf einmal ziemlich Muskelkater. Am Sonntag waren wir dann aber im Park und haben sonst nicht viel gemacht.

 

Am Sonntag Abend habe ich dann Rösti gemacht für meine Gastfamilie. Dazu gab es geschnetzeltes, Bratensauce und Rahmgemüse. Ich glaube das ist mir alles ganz gut gelungen, jedenfalls wurde alles aufgegessen. Auch sonst bin ich erstaunt wie interessiert die Japaner an fremden Dingen sind. Im Kindergarten habe ich Beispielsweise Schernschnitte eingeführt und die Kinder wollten für mehrere Tage nichts anderes mehr machen. Nicht einmal die Eltern hatten zuvor etwas davon gehört. Dafür kann jedes dieser Kinder einen Origami Schwan falten.

 

Heute bin ich nach der Arbeit noch etwas mit dem Rad herumgefahren. Und als ich da so in der Masse der japanischen Radfahrer untergegangen bin wurde mir mit einem Mal klar, das ich jetzt wohl endlich angekommen bin. Nächstes Wochende werde ich mit meiner Gastfamilie in die Region des Fuji-san fahren und dort zweimal übernachten. Ich hoffe Mal das Wetter bleibt gut.



Ich bin nun erst vier Tage in Japan aber es kommt mir wie eine Ewigkeit vor. Mein Plan war die ganze Zeit über mit kleinen Abenteuern gespickt. Ich war bereits eine Stunde lang ein Samurai, habe eine traditionelle Tee Zeromie miterlebt, habe das elektronik Viertel Akihabara besucht, Sushi und Ramen gegessen und bin unendlich viel U-Bahn gefahren.

Doch vielleicht fange ich am besten ganz vorne an.

Meine erste Lektion in japanischer Genauigkeit wurde mir bereits im Flugzeug erteilt. Erstaunlicherweise kam die Crew des Austrian Airlines Flug auf einmal mitten in der Nacht auf die Idee Ramen zu servieren. Die japanische Nudelsuppe war offensichtlich ein kleines Special des Fluges nach Tokyo. Jedenfalls wurde durch dieses Ereignis mein Verhältnis zu der älteren japanischen Dame neben mir mit einem Schlag intensiviert. Nach meiner Hilfe ihren Bildschirm in Gang zu bringen und ihr Gepäck zu verstauen, sah sie nun ihre Stunde gekommen um meine Hilfe zu erwidern. Vom aufmachen der Essstäbchen bis zum ineinanderlegen von Essschale und Abfall wurde mir alles ganz genau und anschaulich erklärt. Sogar die Wegwurfstäbchen wurden aufmerksam zurück in die Papierhülle geschoben und das ende des Papiers wurde eingeknickt. Diese Liebe zu alltäglichen Gegenständen findet man in Japan in jeder noch so kleine Sache, ob diese Gegenstände seit dreisig Jahren im Haus herumstehen oder im nächsten Moment weggeworfen werden, spielt dabei keine Rolle.

Narita

Am Flughafen Narita, Nordöstlich von Tokyo war es gerade Morgen als wir ankamen. Im Mikrokosmos des Flughafens wird einem gar nicht so recht bewusst, dass man an einem ganz anderen Ort ist. Wir wurden abgeholt und fuhren dann mit der U-Bahn ins Zentrum von Tokyo wo meine Gastfamilie wartete. Bis jetzt ist mir noch kein japanisches Klischee aufgefallen, dass meine Gastfamilie nicht erfüllen würde. Ich lebe im Haus der Eltern der Familie Monai. Der Sohn und die Tochter der Familie sind beide schon etwas älter und haben selber Kinder. Trotzdem habe ich jedoch beide schon getroffen. Ich war natürlich wegen dem Jetlag enorm müde aber die Familie hatte am Freitagabend bereits Makisushi (gerollte Sushi) vorbereitet. Dabei werden alle Sushi Zutaten auf den Tisch gebracht und alle machen ihr Sushi selber, eine wirklich tolle Mahlzeit. Dazu gab es noch einige andere Gerichte, weil die Familie dachte ich mag vielleicht rohen Fisch nicht. Leider haben wir das Internet auf meinem Laptop noch nicht einrichten können, der Familie ist das überhaupt nicht recht, ich glaube sie machen sich deshalb enorme Sorgen. Noch viel grössere als ich selbst. Leider getraute ich mich doch nicht ihnen zu sagen, dass ich über zehn Freizugängliche Netzwerke im Quartier zur Verfügung habe. Nach dem Sushi essen bin ich dann schnell eingeschlafen. Schliesslich hatte ich extra in der Nacht vor dem Flug wenig geschlafen um mich an den neuen Rythmus anpassen zu können.


Als ich dann am Samstag aufgestanden bin, erwartete mich bereits ein riesiges Frühstück. Die Zeit die hier für die Zubereitung der Mahlzeiten aufgewendet wird ist gigantisch. Es gibt nicht wie bei uns jeweils ein Gericht mit meistens einer Beilage, sondern wenn alle zusammen essen fünf bis 15 kleine Teller wo immer etwas anderes dabei ist. Gegessen wird von allem ein bisschen und alles durcheinander. Eine japanische und eine westliche Variante gab es auch beim Frühstück. Inzwischen konnte ich der Familie jedoch erklären, dass ich japanisches essen mag. Die Eltern sprechen so gut wie kein Englisch, deshalb habe ich bereits viel mehr japanisch gelernt als ich erwartet hätte.

Nach dem Früstück am Samstag wollte mir der Sohn der Familie unbedingt Akihabara zeigen. Das er sich obwohl er eine Familie und zwei kleine Kinder hat, extra dafür Zeit nahm fand ich sehr beeindruckend. Japaner sind enorm neugierig was Leute aus dem Rest der Welt angeht und wirklich an allem sehr interessiert. Gleichzeitig sind sie jedoch auch sehr schüchtern, besonders im ersten Moment. Dies gilt zumindest all jene die ich bisher getroffen habe. Ausländer sind selbst in Tokyo eine gewisse Seltenheit, ausser in den grossen Touristen Regionen natürlich. In der U-Bahn schlage ich gelegentlich den Kopf an. Auf dem Weg zur U Bahn Station habe ich den ganzen Weg fotografiert, es ist ein etwa zwanzig minütiger Fussmarsch, durch recht enge Strassen die sich kaum unterscheiden und keinen geraden Verlauf haben. Ohne diese Fotos wäre ich am Abend verloren gewesen. Akihabara war super aber wir hatten natürlich zu wenig Zeit alles genau anzugucken.

Akihabara

Nach Akihabara gab es im Büro der Organisation ICYE mit der ich hier bin eine kleine Wilkommensparty für alle die in Japan einen Sozialeinsatz machen. Zuhause war ich dann wiederum sehr müde und ging gleich ins Bett.

Bei der UBahn Station Urawa in Saitama City

Lion King hats auch =D

Gestern waren wir dann an einem Festival oder vielleicht eher einer Messe internationaler Organisationen zum einen und Verbänden die sich alten japanischen Traditionen widmen zum anderen. Dort traf ich auf „echte“ Samurais und wurde selbst als einer Verkleidet. Anschliessend nahmen wir an einer traditionellen Tee Zeremonie Teil, falteten Origami und spielten mit Katanas. Als wir jedoch japanische Manderinen gegessen haben, wollte mir jemand erklären wie man richtig Manderinen schält. Dabei ist es weit herum bekannt das ich der beste Manderinenschäler bin. Ich schaffe das in einem Schritt, immer. Die Japaner auch, nur bei denen sieht die Schale am Ende aus wie ein Blume. Und das machen echt alle Japaner so. Kalligrafiert haben wir dann auch noch – erfolglos.

Fuji-San auf dem Weg nach Orawa

Nach dem Festival haben wir noch die Burg von Odawara besichtigt, das war in der Nähe des Festivals.

Sushi o.o

Blüten im vorgarten der Burg

Orawa Castle


Als ich dann gestern nach Hause kam, war auch noch die Tochter der Familie gekommen. Sie lebt eigentlich in Osaka aber ihr Mann hat ein Buisness Meeting in Tokyo also kam sie mit ihrer Tocht er zu uns. Heute hat mir die Familie dann noch voller Stolz die Altstadt von Saitama und den Tempel gezeigt.

Sakura-Chan

Icecream!!!!!

Icecream!! Icecream!!!

Rotes Sushi

Es ist wundervoll hier. Was mir am besten gefällt ist diese Friedlichkeit überall, es wird nie laut geredet, nie geschrien und nie öffentlich gestritten. Obwohl jeder Japaner ein Handy hat und davon exzessiven Gebrauch macht, wird komischerweise kaum telefoniert und wenn dann nur leise. So kommt es, das trotz diesen vielen Leute, die es oft recht eilig haben, sich alles in einem ruhigen, angenehmen Einklang befindet.

1

Er stand da vor ihrer Tür. Er stand da ohne Blumen, ohne zurechtgelegte Worte und ohne zu wissen was er eigentlich erwartete oder wollte.

Er wusste nur dass es regnen würde.

Ein heisser, sonniger Sommertag war es gewesen. Ein schwüler, erdrückender Abend voller schwarzer Wolken war es dann geworden.

Ja. Genau das hatte ihn wieder hierhin geführt. Die Erinnerung, an das was sie zusammen einmal hatten.

Er stand da ohne Schuhe.

Er klopfte.

Nach einem kurzen Moment der sich ewig anfühlte wollte er sich gerade umdrehen und gehen.

Sie öffnete die Tür. Sie sagte nichts.

Er stand da.

Die meisten Frauen hätten jetzt viele Fragen gestellt, hätten wissen wollen warum er hier wäre nach so langer Zeit und warum er sich nicht gemeldet hätte. Sie wären mit einer Flut aus Neugierde, Freude und Wut über ihn hereingestürmt. Viele hätten ihn hereingebeten, einige auch weggejagt.

Doch sie sagte nichts. Sie sah ihn lange an, mitten in die Augen. Kein Lächeln nur ein wenig Verletztheit das er gegangen war und ein bisschen Freude über das wiedersehen.

Sie wusste warum er hier war.

Er hatte keine Ahnung.

Man hörte wie die ersten, einzelnen Regentropfen des Sommergewitters auf dem Asphalt aufschlugen und man roch den teerigen Duft ihres Dampfes.

Er versuchte zu lächeln. Doch eigentlich stand er immer noch nur da.

Sie zuckte die Schultern und zog Hausschuhe sowie Socken aus.

Er stand da und streckte die Hand aus.

Sie nahm seine Hand und lief mit ihm mitten hinein in den Sommerregen.

2

Der Sommerregen war für kurze Zeit zum Gewitter geworden, um kurz darauf ein Sturm zu werden. Blitze um sich schleudernd und betäubend donnernd war er danach einfach plötzlich verschwunden, wie er es so an sich hat an manchen Tagen.

So standen sie dort, in der Mitte dieser riesigen Wiese.

Sie die sich so viel und nichts zu sagen hatten.

Im Regen hatte sie seine Hand losgelassen, war weggerannt um sich einholen zu lassen. Sich versteckt um gefunden zu werden, sich von ihm gelöst um umarmt zu werden.

Doch nun standen sie einfach da.

Die Sonne kam hinter einer dicken Regenwolke hervor, stolz war sie einmal mehr den Sieg davongetragen zu haben.

Sie war so perfekt. Er wusste das, jeder wusste es. Ein Engel, nach dem Regen mit durchnässtem Haar, das den wiedergekehrten Sonnenschein reflektierte und glänzte.

Er wusste nicht wieso er gegangen war und konnte nicht sagen warum er wiederkam.

Sie wusste das. Sie wusste so viel mehr über ihn als er je wissen würde.

Er stand nur da.

Unter dem hohen Gras der Wiese hatte sich die Erde in Lehmigen Matsch verwandelt aus der Wasser hervorquoll wann immer man darauf stand.

Plötzlich durchbrach sie die Stille und meinte dass sie nach Hause gehen sollten.

Er nickte.

Nach Hause? Ihr zu Hause? Seins? Zusammen oder allein?

Er ging nur neben ihr. Redete über das Wetter und die Vögel. Er erzählte ihr inhaltslose Dinge und sie lächelte darüber ohne glücklich zu sein.

Er fragte ob er kochen soll. Sie sagte ja.

Sie wusste dass sie ohne ihn nicht mehr Leben konnte und er wusste gar nichts.

Er wusste nur dass er wiedergekommen war und er wusste dass dies etwas zu bedeuten hatte.

Sie versuchte zu vergessen was.

3

Er hatte Freunde die in Mittelalter Clubs und Sience Fiction Vereinigungen mitmachten, sich deshalb regelmässig zu Rollenspiel Events trafen um gemeinsam, irgendwo in einem Wald oder unbenutzten Kellerräumen, Abenteuer zu erleben oder ihre  Weltraumschlachten zu schlagen. Andere Freunde von ihm gingen einmal am Tag ins Fitnessstudio, um sich mit Anabolika und Steroiden voll zu dröhnen nur um danach im Spiegel den Muskeln quasi beim Wachsen zusehen zu können. Er kannte Leute die Tag und Nacht mit Videospielen verbrachten und andere die obwohl sie gleich alt waren wie er immer noch daran glaubten einmal Basketballstar zu werden. Andere bauten Modelleisenbahnen oder hielten Ausschau nach Alien Funksprüchen. Alles Leute die sich selbst ernst nahmen.

Er beneidete sie alle ein wenig. Neid darauf dass diese Menschen irgendetwas hatte was ihr Leben auszufüllen schien und ihnen das Gefühl gab wichtig zu sein. Etwas was für sie alle die verlorene Religion dieser Gesellschaft ersetzte. Obwohl er vieles erlebt hatte, musste er sich eingestehen nie so etwas gehabt zu haben.

Bis vor einigen Jahren.

Ein Mann ohne grosse Träume, der trotzdem stets davon ausgegangen war irgendwann die Welt verändern zu werden. Heute entlockte ihm jener Gedanke nur noch ein müdes Lächeln, die Welt verändern…

Bald.

Er stand da und putzte das Gemüse.

Karotten, Rübenkohl und Broccoli. Er dämpfte alles nur kurz in ein wenig heisser Brühe, so dass es schön bissfest blieb, denn sie hasste matschiges Essen. Sie hatte kein Fleisch im Haus gehabt, deshalb gab es einfach Teigwaren und eine Pilzsauce, mit dem Gemüse eben.

Er fragte sich warum sie nicht zu ihm gegangen waren.

Auf dem Weg ins Wohnzimmer um den Tisch zu decken sah er sie auf ihrem alten Polstersessel vor dem nicht brennenden Kamin sitzen. Sie hatte die Lesebrille mit dem grossen schwarzen Rahmen auf und las in einem Buch, er stellte einmal fest dass er es aus irgendeinem Grund mochte wenn sie diese Brille trug.

Wieso wusste er nicht.

Er stellte fest dass ihr alter Eichenparkettboden immer noch an derselben Stelle fürchterlich knarrte. Sie sah auf und lächelte, er lächelte ebenfalls und stellte fest das man jetzt essen könne.

So sassen sie dann da, sie rühmte sein Essen und er wusste das sie dies auch getan hätte wenn es schlecht gewesen wäre, musste sich jedoch eingestehen das ihm mit den wenigen Dingen ein recht gutes Abendessen gelungen war. Nur Wein für die Pilzsauce hatte er keinen finden können.

Er goss sich und ihr Wasser nach.

Sie hatte eigentlich sowieso nie Alkohol im Haus.

Er eigentlich auch nur selten.

War ich dir eigentlich nie zu normal?

Sie lachte, du? Normal? Wie kommst du darauf?

Er stellte mit Erstaunen fest wie verlegen ihn ihre Amüsiertheit machte. Er versuchte sich zu erklären und scheiterte.

Sie lächelte erneut.

Du warst einfach nicht da. Dein einziges Problem war das du einfach nicht mehr da warst.

Er wusste das und verfluchte erneut die Umstände die ihn dazu gebracht hatten einfach so zu verschwinden. Umstände die er ihr niemals einfach würde erklären können, die er all den Frauen vor ihr auch nicht hatte erklären können. Die Umstände die normalerweise der Grund waren wieso er nicht zurückkehrte, doch diesmal hatte er es getan.

Alles wegen ein bisschen Sommerregen.

4

Er ging nach Hause.

Es hatte wieder ein kleines bisschen angefangen zu Regnen, Blitze und Donner hörte man jedoch nur noch aus der Ferne. Nachts hatte dieser Regen auf einmal etwas sehr melancholisches. Sein Haar war heute nie trocken gewesen, seit…

Er ging nach Hause, allein.

Natürlich hätte er auch den Bus nehmen können, doch er mochte es überaus gerne zu Fuss nach Hause zu kommen. Denn so konnte er über viele Dinge nachdenken. Manche Leute sagten ihm immer wieder jenes nachdenken sei nicht gut für ihn. Sie sagten er denke über zu viele Dinge nach, er müsse lernen so manches einfach zu akzeptieren.

Er dachte daran all seine Freunde auf einmal an einem Ort zu versammeln, er dachte darüber nach wer sich wohl besonders schlecht mit wem verstehen würde. Natürlich wollte er das nicht wirklich tun, er mochte nur den Gedanken wirklich alle Leute mit denen er je gut ausgekommen war zusammen zu sehen, keiner würde absagen, in dieser Vorstellung.

Er lächelte und bog in eine Seitenstrasse.

In der Realität würde kaum ein Drittel tatsächlich erscheinen.

Aber sie würde da sein. Er würde sich nur auf sie konzentrieren und alle anderen vergessen, wer wollte das schon?

Es war schon so gewesen als er sie das erste Mal gesehen hatte aber bei ihm war das bei vielen Frauen so wenn er sie das erste Mal sah. Das besondere war viel mehr das es länger angehalten hatte.

Er ging die ganze Hauptgasse hinunter und verfolgte das wilde Treiben des fliessenden Regenwassers auf der Strasse. Es erinnerte ihn an etwas, was vor längerer Zeit durch die Gassen einer anderen Stadt geflossen war.

Es war sein Beruf, wenn man das überhaupt so nennen konnte.

Sein Beruf hatte ihn ständig von ihr weggetrieben und von allen anderen die er sowieso nicht hatte wiedersehen wollen. Doch bei ihr tat es ihm leid. Alle anderen redeten dauernd über Häuser die man doch kaufen sollte, Kinder die man haben müsse und Kirchen in denen man heiraten sollte. Er wollte das grundsätzlich auch, doch irgendwie kam es ihm nicht richtig vor, noch nicht.

Sie lies ihm Zeit.

Er war noch nicht viel mehr als das Kind, von dem die anderen Leute ihm sagten er sei es einmal gewesen.

Er erreichte seine Wohnung und schloss die Tür auf.

Ein richtig schlechter Mensch war er nicht, ein richtig guter auch nicht. Er glaubte ohnehin nicht an gute oder schlechte Menschen, eigentlich nicht einmal an gute oder schlechte Taten.Doch viele Menschen taten das und dies war der Grund warum er tat was er tat.

Er hängte seine Jacke über den Stuhl wie er es jeden Tag tat. Dann ging er ins Wohnzimmer, schenkte dem dort hängenden Symbol für einen Gescheiterten Freiheitskampf oder eine Revolution mit blutigem Ausgang ein Müdes Lächeln. Dieser junge Mann der dort mit seinen Einkaufstaschen vor einer Reihe Panzern stand und keinen Anschein machte sich zu bewegen, hatte auf der einen Seite den grösstmöglichen Respekt verdient den ein Mensch je erreichen konnte. Auf der anderen Seite erinnerte er ihn manchmal an ihn selbst. Er motivierte ihn jeden Morgen aufzustehen und das weiterzumachen was er tat.

Das tat der Tankman wohl für so einige Leute.

Er nahm eine Dusche, diesmal warm.

Bevor er sich schlafen legte verfolgte ihn vor allem der Gedanke, ob sie ihn von dem abhielt was er tat. Es dauerte eine Weile, doch schliesslich löste er sich von seinem Computer Bildschirm und legte sich schlafen.

Wie lange es gedauert hatte bis er einschlief, hatte er am nächsten Tag wie die meisten Menschen in solchen Fällen schön längst vergessen.

5

Bis die beiden sich wiedersahen, sollte eine ganze Woche vergehen.

Er hatte viel zu tun, redete er sich zumindest ein und es war heiss gewesen. Wenn es heiss war fühlte er sich immer sehr träge. Nach der Arbeit kam er jeweils in seine kleine Wohnung und war nicht fähig irgendetwas Wichtigeres zu erledigen. Er schlief jedoch auch nicht viel.

Da sass er also, vor dem Telefonhörer im Wohnzimmer.

Er hatte kein Mobiltelefon für private Zwecke. Ihm erschien der Gedanke enorm unromantisch den ganzen Tag erreichbar zu sein, auf der Arbeit jedoch war es unausweichlich geworden. Leuten die er nicht von der Arbeit kannte gab er jedoch einfach die Nummer nicht, es waren ohnehin nicht viele.

Er überlegte was er ihr sagen sollte. Ob er nicht einfach die Wahrheit erzählen sollte.

Er war weit gereist und hatte viele Menschen kennengelernt und auch wieder vergessen. Irgendwann hatte er jedoch, praktisch am Ende der Welt seinen Cousin Jean getroffen. Dieser war durch die Gründung eines sehr modernen Unternehmens sehr reich geworden. Weil er sich immer gut mit Jean verstanden hatte, verbrachten die beiden von da an viel Zeit miteinander.

Sie hatten viele neue Ideen und plötzlich viel Geld um etwas mit ihnen anzufangen.

Die Ideale der Menschen musst du heutzutage kaufen, wie alles andere.

Jean dachte genauso schlecht über die Welt wie er selbst. Manchmal erinnerte Jean ihn an Tyler Durden oder V. An jemanden dem man tatsächlich glaubte er könne alles verändern.

Jetzt arbeitete er für seinen Cousin, als so eine Art persönlichen Manager oder Butler. Gleichzeitig war er jedoch auch sein Vertrauter, der dafür sorgte das die Unternehmung sowie auch ihre gemeinsame Organisation, die sich stets am Rang der Legalität bewegte zumindest nach aussen ein gutes Bild abgab.

Robin Hood hielt sich schliesslich auch nicht an Gesetze.

Menschen zu helfen war immer sein Traum gewesen, seine Vision. In seiner Heimat hatte er sich jedoch stets sehr eingeengt gefühlt. Irgendwann war er einfach gegangen, ohne vielen viel zu sagen. Nur einigen recht wenig. Jetzt war er hier, seinen Traum hatte er auf der einen Seite aufgegeben, auf der anderen verfolgte er ihn eigentlich jeden Tag.

Aus dem helfen vieler Menschen war das dienen einiger wenigen geworden, mit der Hoffnung damit vieles zu verändern.

Er nahm den Hörer und wählte ihre Nummer.

Sie war irgendwie anders, wenn auch im Grunde genommen ähnlich. Sie hatte seine grossen Träume nie geteilt oder sie dachte einfach weniger  grossflächig. Im Gegensatz zu ihm hatte sie sich stets eingestanden dass man die Welt nicht verändern konnte, doch trotzdem half sie allen Menschen die sie traf in ihrem Alltag. Ihren Nachbarn und Freunden, manchmal glaubte er sie war sich dessen vielleicht gar nicht so recht bewusst.

Er hatte dies nie getan, jenen Menschen die ihm eigentlich sehr nahe standen hatte er nie besonders viel geholfen, er war zwar immer freundlich aber gleichzeitig sehr distanziert und zurückhaltend.

Sie war herzlicher, hatte er zumindest geglaubt.

Er war nicht gut am Telefon, es machte ihn sehr nervös es benutzen zu müssen. Es gab immer diese ekelhaften Pausen wenn niemand was sagte und dann konnte man nicht einmal lächeln. Für Private Dinge benutzte er es nur wenn es wirklich nicht anders ging. Oft ging er gar nicht ran wenn er Zuhause war und jemand anrief.

Hallo ich bin nicht Zuhause, hinterlasse eine Nachricht oder ruf später wieder an.

Hey, hm… Ich hab an dich gedacht. Ja, eigentlich denke ich die ganze Zeit an dich. Ich werde heute in den Park gehen, ist ein schöner Tag. Ja, ein wirklich schöner Tag, nach der Arbeit werde ich in den Park gehen, ich sitze immer noch am selben Platz. Vielleicht kommst du ja vorbei, bis dann.

Er legte auf.

Fühlte sich elend an.

6

Er kam sich vor wie der verdammte Stauffenberg, wobei jener wenigstens gewusst hatte was er tat oder tun wollte.

Er sass auf seiner Bank im Park und starrte auf den kleinen See hinaus. Ein kleiner Junge warf in der Nähe Steine in das ansonsten ruhige Wasser.

Gestern Nacht war ihm alles klar geworden. Wieso sie plötzlich hierher gekommen waren, wieso er plötzlich mehr Freizeit bekommen hatte und das alles war tat von jemand anderem längst geplant gewesen war.

Plötzlich wurde ihm bewusst wie klein er war. Sie hatten es ihn selber herausfinden lassen, warscheinlich damit er sich nicht über irgendjemanden aufregen würde. Plötzlich fragte er sich wie viel Jean darüber wusste.

Egal. Alles war ohne Irrelevant geworden.

Mitten in der Nacht war er aufgestanden und hatte den Computer angemacht, mitten in der Nacht hatte er herausgefunden was sie alles gewusst hatte.

Er hatte sie unterschätzt. Niemals hätte er geglaubt dass sie irgendetwas herazsgefunden hatte.

Zu viel. Es war zu kurz davor um etwas anderes zu tun als dies. Zu viel, zu späht.

Er sah sie schon von weitem.

Sie schien keine Angst zu haben, näherte sich leichten Schrittes und setzte sich neben ihn. Ihr Gesicht zeigte kaum Gefühle, wie immer.

Sie legte seine Hand auf seine und fragte ihn ob er nur deshalb gekommen sei.

Er spürte wie er blasser und blasser wurde, wie sich seine Kehle zusammenzog.

Sie erklärte sie könnten doch einfach weggehen von dem allem, sie könnten weit weg gehen und ein normales Leben führen.

Er sagte nichts, er konnte nicht.

Sie sprach davon dass sie kaum jemandem erzählt hatte was sie wusste und niemals etwas davon in ihrer Zeitung schreiben würde.

Er fragte sie warum sie hierher gekommen sei. Er blickte in ihre dunklen, wundervollen Augen hinein und fragte wütend warum sie nicht einfach habe verschwinden können. Warum sie gewartet hatte obwohl sie wusste wer er wirklich war und warum sie…

Sie lächelte stumm und strich eine Strähne seines schweissnassen Haars aus seiner Stirn. Ich liebe dich, ich habe dich immer geliebt. Ich weiss was ich weiss nur weil ich wissen wollte was aus dir geworden war.

Ein verdammter Terrorist.

Eine Träne in ihren Augen.

Wir werden einen gewaltigen Umsturz herbeiführen, wir werden alles verändern was einmal war, wir werden verändern wie es einmal sein wird. Ich bin nur ein Blatt im Wind, genau wie du. Doch dies ist meine Vision, dies ist mein Leben. Du weisst das.

Sie küsste ihn.

Er roch ihren Duft, fühlte ihren Körper, sie war überall um ihn herum.

Sie hielt inne und fragte ob es weh tun würde.

Er erklärte ihr sie sei bereits tot seit sie sich gesetzt habe, das Gift beginne in einigen Minuten zu wirken. Sie würde einfach einschlafen.

Sie lächelte. Werde glücklich.

Er bereute nur ihr nie gesagt zu haben dass er nicht deshalb wiedergekommen war.

Als ihre Leiche auf dem Grund des Flusses geborgen wurde, war er längst in einem Land weit weg von dort, mit Frauen ganz anders als sie.

Um zu vergessen.

Er kam sich vor wie der verdammte Stauffenberg, wobei jener wenigstens gewusst hatte was er tat oder tun wollte.

Er sass auf seiner Bank im Park und starrte auf den kleinen See hinaus. Ein kleiner Junge warf in der Nähe Steine in das ansonsten ruhige Wasser.

Gestern Nacht wurde ihm alles klar. Wieso sie plötzlich hierher gekommen waren, wieso er plötzlich mehr Freizeit bekommen hatte und das alles war tat von jemand anderem längst geplant gewesen war.

Plötzlich wurde ihm bewusst wie klein er war.

Er hatte sie unterschätzt. Niemals hätte er geglaubt dass sie irgendetwas wissen konnte.

Mitten in der Nacht war er aufgestanden und hatte den Computer angemacht, mitten in der Nacht hatte er herausgefunden was sie alles herausgefunden hatte.

Zu viel. Es war zu kurz davor um etwas anderes zu tun als dies. Zu viel, zu späht.

Er sah sie schon von weitem.

Sie schien keine Angst zu haben, näherte sich leichten Schrittes und setzte sich neben ihn. Ihr Gesicht zeigte kaum Gefühle, wie immer.

Sie legte seine Hand auf seine und fragte ihn ob er nur deshalb gekommen sei.

Er spürte wie er blasser und blasser wurde, wie sich seine Kehle zusammenzog.

Sie erklärte sie könnten doch einfach weggehen von dem allem, sie könnten weit weg gehen und ein normales Leben führen.

Er sagte nichts, er konnte nicht.

Sie sprach davon dass sie kaum jemandem erzählt hatte was sie wusste und niemals etwas davon in ihrer Zeitung schreiben würde.

Er fragte sie warum sie hierher gekommen sei. Er blickte in ihre dunklen, wundervollen Augen hinein und fragte wütend warum sie nicht einfach habe verschwinden können. Warum sie gewartet hatte obwohl sie wusste wer er wirklich war und warum sie…

Sie lächelte stumm und strich eine Strähne seines schweissnassen Haars aus seiner Stirn. Ich liebe dich, ich habe dich immer geliebt. Ich weiss was ich weiss nur weil ich wissen wollte was aus dir geworden war.

Ein verdammter Terrorist.

Wir werden einen gewaltigen Umsturz herbeiführen, wir werden alles verändern was einmal war, wir werden verändern wie es einmal sein wird. Ich bin nur ein Blatt im Wind, genau wie du. Doch dies ist meine Vision, dies ist mein Leben. Du weisst das.

Sie küsste ihn.

Er roch ihren Duft, fühlte ihren Körper, sie war überall um ihn herum.

Sie hielt inne und fragte ob es weh tun würde.

Er erklärte ihr sie sei bereits tot seit sie sich gesetzt habe, das Gift beginne in einigen Minuten zu wirken. Sie würde einfach einschlafen.

Sie lächelte. Werde glücklich.

Er bereute nur ihr nie gesagt zu haben dass er nicht deshalb wiedergekommen war.

Als ihre Leiche auf dem Grund des Flusses geborgen wurde, war er längst in einem Land weit weg von dort, mit Frauen ganz anders als sie.

Um zu vergessen.

Dies ist ein Kapitel der abgeschlossenen Kurzgeschichte Wiederkehr im Sommerregen

Bis die beiden sich wiedersahen verging eine ganze Woche.

Er hatte viel zu tun, redete er sich zumindest ein und es war heiss gewesen. Wenn es heiss war fühlte er sich immer sehr träge. Nach der Arbeit kam er jeweils in seine kleine Wohnung und war nicht fähig irgendetwas Wichtigeres zu erledigen. Er schlief jedoch auch nicht viel.

Da sass er also, vor dem Telefonhörer im Wohnzimmer.

Er hatte kein Mobiltelefon für private Zwecke. Ihm erschien der Gedanke enorm unromantisch den ganzen Tag erreichbar zu sein, auf der Arbeit jedoch war es unausweichlich geworden. Leuten die er nicht von der Arbeit kannte gab er jedoch einfach die Nummer nicht, es waren ohnehin nicht viele.

Er überlegte was er ihr sagen sollte.

Er war weit gereist und hatte viele Menschen kennengelernt und auch wieder vergessen. Irgendwann hatte er jedoch, praktisch am Ende der Welt seinen Cousin Jean getroffen. Dieser war durch die Gründung eines sehr modernen Unternehmens sehr reich geworden. Weil er sich immer gut mit Jean verstanden hatte, verbrachten die beiden von da an viel Zeit miteinander.

Jetzt arbeitete er für seinen Cousin, als so eine Art persönlichen Manager oder Butler. Gleichzeitig war er jedoch auch sein Vertrauter, der dafür sorgte das die Unternehmung sowie auch ihre gemeinsame Organisation, die sich stets am Rang der Legalität bewegte zumindest nach aussen ein gutes Bild abgab.

Robin Hood hielt sich schliesslich auch nicht an Gesetze.

Menschen zu helfen war immer sein Traum gewesen, seine Vision. In seiner Heimat hatte er sich jedoch stets sehr eingeengt gefühlt. Irgendwann war er einfach gegangen, ohne vielen viel zu sagen. Nur einigen recht wenig. Jetzt war er hier, seinen Traum hatte er auf der einen Seite aufgegeben, auf der anderen verfolgte er ihn eigentlich jeden Tag.

Aus dem helfen vieler Menschen war das dienen einiger wenigen geworden, mit der Hoffnung damit vieles zu verändern.

Er nahm den Hörer und wählte ihre Nummer.

Sie war irgendwie anders, wenn auch im Grunde genommen ähnlich. Sie hatte seine grossen Träume nie geteilt oder sie dachte einfach weniger  grossflächig. Im Gegensatz zu ihm hatte sie sich stets eingestanden dass man die Welt nicht verändern konnte, doch trotzdem half sie allen Menschen die sie traf in ihrem Alltag. Ihren Nachbarn und Freunden, manchmal glaubte er sie war sich dessen vielleicht gar nicht so recht bewusst.

Er hatte dies nie getan, jenen Menschen die ihm eigentlich sehr nahe standen hatte er nie besonders viel geholfen, er war zwar immer freundlich aber gleichzeitig sehr distanziert und zurückhaltend.

Sie war herzlicher, hatte er zumindest geglaubt.

Er war nicht gut am Telefon, es machte ihn sehr nervös es benutzen zu müssen. Es gab immer diese ekelhaften Pausen wenn niemand was sagte und dann konnte man nicht einmal lächeln. Für Private Dinge benutzte er es nur wenn es wirklich nicht anders ging. Oft ging er gar nicht ran wenn er Zuhause war und jemand anrief.

Hallo ich bin nicht Zuhause, hinterlasse eine Nachricht oder ruf später wieder an.

Hey, hm… Ich hab an dich gedacht. Ja, eigentlich denke ich die ganze Zeit an dich. Ich werde heute in den Park gehen, ist ein schöner Tag. Ja, ein wirklich schöner Tag, nach der Arbeit werde ich in den Park gehen, ich sitze immer noch am selben Platz. Vielleicht kommst du ja vorbei, bis dann.

Er legte auf.

Dies ist ein Kapitel der abgeschlossenen Kurzgeschichte Wiederkehr im Sommerregen

Hier gibt es motivierte Lehrer die einem auch nach dem Unterricht noch helfen eine Reise zu planen oder dir mit viel Geduld zu erklären versuchen wo du am billigsten Essen herbekommst. Im Bus bietet jeder alten Leuten und Eltern mit Kindern den Sitzplatz an und sollte irgendjemand auf die Idee kommen dies nicht zu tun, wird er umgehend vom ganzen Bus dazu aufgefordert. Hier bedankt sich jeder beim Busfahrer fürs fahren bevor er aussteigt. Hier wird dir im Supermarkt alles eingepackt, du bekommst im Restaurant immer Eiswasser ohne etwas zu bezahlen und es kommt dir so vor als würden sich die Leute wirklich freuen dass du da bist. Hier sieht dich jeder schief an wenn du in Erwägung ziehst das Wechselgeld das du zu viel bekommen hast nicht zurückzugeben. Vielleicht ist es nur weil ich hier nicht in einer Grossstadt oder ganz auf den Land bin, vielleicht ist es auch weil ich in einer Stadt Lebe in der man mehr Anti Kriegs aufrufe auf Kleidern als US Flaggen an Häusern sieht. Vielleicht auch weil das Evergreen College seinen Namen nicht umsonst trägt, aber ich finde Amerika nicht so schlimm. Eigentlich mag ich es hier, immer noch.

Die Leute sind einfach viel direkter als Zuhause, das kann zwar durchaus seine negativen Seiten haben aber eigentlich komme ich damit bisher sehr gut zurecht. Der Bus komm immer zu späht, man muss immer Trinkgelgeld zahlen, was überhaupt kein Sinn macht, wenn man es sowieso geben muss und es ist seltsam wie die Ampeln für Fussgänger hier funktionieren, so ganz begriffen hab ich es ja noch nicht.

Ulis, eigentlich Bjong Yang ist Sükoreaner, er wohnt im 27. Stockwerk eines Wolkenkratzers in Seoul und war ziemlich erstaunt als ich ihm Bilder meines Hauses zeigte. Wir waren heute zusammen in Seattle mit ein paar anderen. Er war auch im Militär, aber ich denke in Südkorea im Militär zu sein ist etwas ganz anderes als in der Schweiz, die könnte es vielleicht ja irgendwann brauchen, uns irgendwie nicht, ausser die Welt wäre eh im Arsch. Er spielt Ragnarok, so ein Online Spiel das ich eine Weile gespielt habe und war richtig begeistert davon dass ich das kenne. Er ist ziemlich gut in Age of Empires 2 und hat mir auch noch erzählt das Starcraft in Nordkorea eine der beliebtesten Sportarten ist. „Sport“.

Meine Gastmutter hat Mccain gewählt, aber nur weil sie Obama für zu gut und ein wenig naiv hält. Sie sagt aber das sie wusste das Obama in Washington gewinnt, auch darum habe sie für die Republikaner gestimmt, sie möge das zwei Parteien System und es soll ausgewogen bleiben. Als ich mit Ken über Politik spreche lacht er nur und sagt Politik sei nur für korrupte Leute.

Ich esse vor allem asiatisch seit einer Weile, ist irgendwie das einzig wirklich normale hier, ausserdem sind 80% meiner Freunde Asiaten, der Rest sind Hispanics und ich mag mexikanisch nicht besonders. Ich habe heute Schweizer gesehen, meine Freunde auch aber ich hab nicht hallo gesagt, ich mag keine Schweizer mehr, für den Moment. Auch deutsche nicht, von denen hab ich aber noch keine getroffen die Deutsch gesprochen hätten.

Heute war ich in Seattle selbst, zum ersten Mal. War ziemlich toll, nur das Wetter wollte nicht so, deshalb waren wir einfach im Sience Fiction Museum und im Markt wo ich eine Ocarina Stand fand und dort leise das Epona Theme gepfiffen habe als die Verkäuferin das hörte hat sie es mir sofort mit der Ocarina nachgespielt. Ich hätte gerne eine gekauft, sie waren aber etwas teuer. Wir gingen dann essen und am Nachmittag shoppen, viel hab ich hier aber nicht gekauft. Die meisten Leute sagen zum shoppen sollte man nach Portland gehen, Oregon hat nämlich keine Steuern, Washington schon. Ken, Mai, Ulis und die anderen haben noch Visas für Vancouver machen lassen und ich denke wir werden auch noch nach San Francisco gehen, meine Gastmutter meinte sie kommt recht günstig an Flugtickets ran. Nächste Woche denke ich aber wir gehen entweder noch einmal nach Seattle oder nach Portland, ist beides etwa gleich weit weg von hier. Für die Nationalparks in den Bergen und die San Juan Islands ist es noch zu kalt und alle sagen  im April regnet es nicht mehr, noch hab ich ja viel Zeit. Es ist erst eine Woche um und mir kommt es vor als wäre ich schon ewig hier.

Im ersten Starbucks aufgemacht wurde war ich heute auch noch drinn, die Asiaten wollten unbedingt 10 Minuten für eine Heisse Schokolade, „Hotschoclat“ wie sie sagen anstehen, ich glaube die können nicht anders bei solchen Dingen. Irgendwie hat es aber auch etwas gemütliches, sie nehmen sich immer Zeit, auch wenn es nur darum geht das erste Ohr von Mickymaus das gezeichnet wurde anfassen zu dürfen, dann freut man sich und fühlt sich gut. Ich würde ohne die einfach durch alles durchrasen um mich zuhause zu langweilen. Besser als Schweizer Schokolade ist aber auch die heisse Schokolade aus dem ersten Starbucks Coffee trotzdem nicht.

Ich habe eigentlich nichts, habe viel mehr als viele und sollte mich so wie es ist eigentlich gut fühlen. Wir leben doch eigentlich in einer wundervollen Epoche der Geschichte, viel Zeit sich über Moral und Ethik Gedanken zu machen und doch kein Gesellschaftlicher Druck dazu, also ist es auch nicht notwendig. Das erste Mal in der Geschichte hat eine Gruppe von Menschen ( wir hier ) das Privileg in relativem Wohlstand ( genug zu essen, ein Heim, Energie und Kommunikation sind selbstverständlich ) und Friede leben zu können, ohne bei einem Blick in die  nächste Gasse Leute leiden und sterben zu sehen. Irgendwo geht es anderen immer noch schlecht, doch wir gehen davon aus das dies uns nicht gross zu interessieren braucht. Eine Zeit voller Freiheiten und Einschränkungen, ausser jener des Kapitals. Wundervoll…

Ich denke an…Goebbels, ich habe diesen Film über ihn geschaut, dass Goebbels Experiment, in dem eigentlich nur aus seinem Tagebuch vorgelesen wird. Danach habe ich einige Artikel über ihn gelesen und in seiner Biografie geblättert, später habe ich sogar seine berühmte Rede aus dem Sportpalast von 1943 angehört, die Ganze. Natürlich nicht weil mich der Inhalt fasziniert hätte, sondern es mir lediglich angehört weil er immer wieder als grosser Redner genannt wurde. Eigentlich war er das wirklich, ich kann mir gut vorstellen wir er das Deutsche Volk, das keine anderen Informationen zur Verfügung hatte, mit seiner Propaganda angetrieben hat.

Es gibt Leute die sagen die Kriese in der wir uns befinden sei grösser als die grosse Depression, sicherlich wir werden teilweise zurückstecken müssen und nicht wenige Leute könnten ihren Arbeitsplatz verlieren, doch noch Hungert eigentlich niemand, so denke ich. Damals war das anders, eine Kriese die so gross war das viele begannen am System selbst zu zweifeln. So waren der Kommunismus im Osten teilweise und Deutschlands Nationalsozialismus in der Weimarer Republik vor allem, Ergebnisse dieser grossen, scheinbar alles in den Abgrund reissenden Kriese. Natürlich nicht durch die Kriese selbst geboren, doch durch sie erst so richtig ins Rollen gebracht.

Natürlich war Goebbels Antisemitisch und Anführer der Propaganda gegen die Juden, er hat den Holocaust auf eine Weise mit verantwortet die man kaum unterschätzen kann. Aus seinen Tagebüchern lässt sich auch früh schon eine gewisse Verachtung gegen dem jüdischen Volk erkennen.  Trotzdem jedoch hatte Goebbels an den Universitäten und auch später als Literat durchaus jüdische Mentoren und Vorbilder. Goebbels war Zeitweise auch Sympathisant der Kommunisten in Deutschland.  Aus seiner Lebensgeschichte erkennt man gut die Leere jener Zeit und bei ihm speziell die Suche nach einer Aufgabe die seinem Sein einen Sinn gab. Es kann natürlich sein das ich und damit auch einige Historiker, die meine Ansicht zu teilen scheinen, mich täusche, ich kannte ihn schliesslich nicht. Doch ich glaube nicht das er von Natur aus einen derart grossen Hass auf die Juden gehabt hat, er betrachtete den Nationalsozialismus und Hitler nur als einziges Licht am Ende des Tunnels und den Antisemitismus als notwendigen Teil davon.

Wenn sich unsere Zeit also verändern sollte, falls das Jahr noch weniger schön wird wie es begonnen hat, sollten wir mit sehr viel Bedacht darauf schauen wie viel wir bereit sind für das Licht am Ende des Tunnels zu geben. Es könnte sein das wir vor einer Zeit stehen in der die Moral wieder einen höheren Stellenwert bekommt, in der die Leere wieder grösser werden könnte und in der wir ab und zu eigene Entscheidungen treffen müssen, die nicht nur für uns allein wichtig sind. Wir sollten darüber nachdenken woran wir glauben, bevor wir entscheiden wofür wir kämpfen.

Vielleicht war das Goebbels Fehler, vielleicht hat er nie herausgefunden woran er sich halten soll und in Hitler und dem Nationalsozialismus seine Lebensaufgabe und seinen Halt gefunden, seine Antworten die er suchte.

Es ist alles eine Frage des Preises, umso weniger wir haben, umso billiger werden wir zu haben sein.

Wenn die Sonne der Himmel wäre, wäre sie dann blau?

Die Zeit verging zu schnell um hier etwas zu schreiben, euch zu hinterlassen, es tut mir leid. 40 Stunden sind zu wenig. Wird irgendwie immer kürzer.