You are currently browsing the category archive for the ‘Im Dreck’ category.

Müde bin ich, stehe da

So Müde war ich nie zuvor.

Müde bin ich, hoffentlich nicht immerdar,

Hoffentlich ists nicht zu viel was ich hier verlor.

 

Hoffentlich nicht zu viel von mir,

vom guten Morgen schreien, jeden Morgen, stets im Chor.

Vom Daumen der in der Achtungsstellung Millimeter genau angelegt sein muss,

Hoffentlich bin ich danach wieder mich selbst, ohne Müdigkeit und ohne Wut.

Hoffentlich ist es danach einfach vorbei, einfach weg und einfach gut.

 

Wir sollten fliehen, über gelbe Narzissen Wiesen,

weisse Schneeglocken Auen,

wir sollten grün strahlenden Feldwegen folgen

und breite Waldranddickichte durchqueren.

 

Wir könnten in Grashalmheinen stehen,

Wörter drechseln, auf den Abend warten.

Mit dir im Stern licht, Tümpel grün strahlenden Moossteinen,

Herrn Buttermond bewundern.

 

Doch noch ist es dafür zu früh,

zum gehen, zu kalt,

zum wandeln, zu verboten,

zum sein. Noch müssen warten, auf die Narzissen die erst kommen werden.

 

Nur noch kurz, dann fliehen wir.

Nur noch kurz, dann komm ich überall hin,

nur noch kurz, dann gehe ich dort hin mit dir.

Nur noch kurz und ich glaube dann Hoffentlich wieder an alles, wie zu Beginn.

Advertisements

Frühling kommt, Winter geht. Nicht mehr lange und ich hab es echt geschafft, wirklich fertig und wieder frei. 😉

Es ist das Warten auf den Frühling das die Menschen im Winter der Kälte trotzen lässt. Das sehen der ersten Frühlingsblüten dass sie Hoffnung schöpfen lässt und das Wissen allein das bessere Zeiten kommen werden. Heuer geht es mir mehr den in jedem Winter zuvor, nicht anders. Ohne das, wäre ich nichts, nicht mehr, nie gewesen.

Ich schlafe nicht, ich höre, ich rieche, ich fühle nur.

Liebe Stille, Sehnsucht ich vermisse Dich. Zeit zu denken, liebte ich. Kaum zu glauben wie sie rasend hier vergeht. Wie nichts tun sie frisst, niemand versteht. Wie schnell man hier sich selbst vergisst. Veränderung, plötzlich hier, in der ich mich noch selbst verlier. Kann man nicht sagen was mit mir geschah, seit ich hier bin und du mir nicht Nah.

Man gefriert nur und weis es nicht, man sagt mehr mit weniger Inhalt wohl. Man wird was anderes als man war, ein glattes Stück, helles Eis aussen durchsichtig und doch nicht hohl. Ich warte auf den Frühling, Schneeschmelze mag kommen, mich wecken.

Ich schlafe nicht, ich höre nur den Lärm der anderen, rieche vierzehn andre neben mir, ich fühle nur das schmale Bett und das kleine Kissen. Nachtlied, wache. Ich will weg von hier und nie mehr hin.  

Am Sonntagabend im Zug achtete ich mich noch auf die Kleinigkeiten des Lebens, mich hat noch interessiert welchen Fruchtsaft ich trinke, welche Jacke ich anziehe und ich las die ganze Zeitung, so wie ich es schon vor der ganzen Sache getan hatte. Nun jedoch ist dieses Interesse wieder totaler umfänglicher Gleichgültigkeit gewichen, ich trinke den Fruchtsaft der da ist, ziehe alle Jacken an die mit erlaubt sind und lese in der Zeitung nicht mehr als den Wetterbericht, nur um zu erfahren ob die Kälte grösser oder kleiner werden wird.

Ich habe Angst wieder total abzudriften, mich wieder wie vor den viel zu kurzen Ferien für nichts anderes zu interessieren als das Aufstehen am nächsten Morgen und die Gruppeneinteilung auf sinnlosen, nutzlosen Übungen. Ich möchte mich selber bleiben, eigentlich aber ich denke ich friere wieder ein, werde wieder eine leere Hülle. Ein vakuumiertes gefrorenes Lebensmittel, von dem man einfach hofft dass es noch genauso geniessbar ist wenn man es wieder auftaut, wie zuvor.

Selber hoffe ich einfach nur, das ich danach wieder richtig gut über andere Dinge als das schreiben kann hier, doch im Moment, wüsste ich nicht was. Ich denke nur Sehnsüchtig zurück an die Kleinigkeiten die ich einmal geniessen konnte, an sie und die Menschen die ich liebte, alles ist hat dieser Winter in mir gefroren.

Doch die verbleibende Zeit hier wird kürzer, nicht erträglicher aber kürzer.

Machs gut Welt, ich verschwinde wieder für eine Weile in den Dreck irgendwo fern und weitab von dir. Wird wohl ne von eisiger Kälte geprägte Woche werden da draussen. Wenn ich könnte würd ich nicht, doch wenn ich muss hoffe ich irgendwie zu können.

Machs gut bis Samstag. Bis Samstag werde ich mich wiedermal verschliessen, meine Gefühle trocknen und einfrieren, kalt genug ist es ja. Bis Samstag mach ich alles aus, wird schon werden, hoffe ich.

Machs gut und auf wiedersehen.

Müde stehen wir da, alle im Wissen bald gehen zu dürfen, bald Zeit zu haben. Auf der Predigerwiese hören wir uns an wie der Feldprediger mit hoher Stimme die Geschichte der Hirten erzählt die auf der Wiese den Engel getroffen haben. Wie er den Vergleich zieht zwischen uns und diesen Hirten, wie wir beide von der Welt abgeschnitten sind und uns nach Hoffnung sehnen. Die Predigerwiese, ironischer Weise genau jenes Stück Land auf dem wir noch einige Wochen zuvor das erste Mal Gefechtsrollen geübt und in Feuer und Bewegung ausgebildet wurden. Er spricht von jener Steinkanzel zu uns die wir Damals als Deckung benutzt haben und so kommt es, dass ich seine Worte gar nicht recht hören kann oder mag, alles ist viel zu falsch um richtig zu sein.

Trotzdem kommt in mir ein kleiner Funken Weihnachtsstimmung auf, ich bin nun einmal sentimental. Irgendwann versinke ich in den eigenen Gedanken, sehe das letzte Jahr und was alles passiert ist. Man fragt sich ob man sich verändert hat und kommt zum Ergebnis das man die Veränderung ist. Ich war nie ein Fixstern, nie etwas wonach sich andere gerichtet hätten, eher ein unsicher Komet, der nie recht wusste wo sie hinfliegen soll, ohne feste Laufbahn. Ich bin immer in Bewegung aber ohne Ziel. Das Blatt im Wind.

Finnenkerzen brennen im Schnee, ich atme Rauch und Frost, rieche Punsch und Glühwein. Ich merke dass dieser kleine Weinachtsgottesdienst vorbei ist, finde das gut obwohl ich eigentlich nicht wirklich etwas gegen die Kirche habe. Es war einfach absolut der ultimativ falsche Moment.

Seit acht Wochen war ich nicht mehr einen ganzen Tag Zuhause und nun habe ich zwei Wochen Ferien, der Heimweg kam mir vor wie der schönste Moment in meinem Leben. Es dürfte auch das schönste Weihnachten werden, denn erst wenn man weit weg von seinen Lieben ist, fängt man wirklich an zu merken was sie einem bedeuten.

Noch nie hatte ich weniger Zeit zum Geschenke kaufen, noch nie habe ich sie lieber geopfert.

Eine Woche bis Weinachten oder ein kleines bisschen mehr.

Ich kaure still liegend irgendwo im Gebüsch und schiebe Markiermunition in ein neues Magazin. Der Schnee unter mir ist weich und vor mir habe ich mir eine kleine weisse Mauer gebaut, um mich so gut als möglich unsichtbar zu machen. Neben mir haben vier meiner Kameraden genau das gleiche getan, wir haben den Hinterhalt vorbereitet und warten darauf dass irgendein Gegnerischer Trupp in unsere Falle tappt.

Es gibt nur den Moment, keine philosophischen Fragen, keine Sinneszweifel und keine Kälte. Nur das Warten auf die Loslösung des angesammelten Adrenalins, das Warten auf den Dammbruch. Es verschwindet alles und man konzentriert sich nur noch auf den Moment, man sieht wie der Trupp sich nähert, man hört wie der erste Schuss fällt, man zielt, drückt ab, zielt und drückt ab, immer wieder bis alle unten piepsend auf dem Boden liegen.

Man lernt wie man zu fünft zwanzig Menschen tötet und ist sich dessen gar nicht recht bewusst, es macht manchmal sogar auf verrückte Weise Spass.  

Weinachten scheint irgendetwas zu sein was ich vergessen habe und doch bald ist, ich bin irgendwie alles andere als in Stimmung dazu.

 

Ich warte auf den Tag wo ich nicht mehr hinmuss, wo ich einfach wieder frei bin, ich warte darauf mich nicht mehr wie ein Häftling mit Wochenendausgang zu fühlen. Scheinbar unendlich lange warte ich auf den Moment an dem es heisst ich dürfe gehen.

Doch war ich je frei? Bin ich je gegangen. Ich wollte schon immer einmal einfach loslaufen, bis ans Ende der Welt, schon als kleiner Junge währe ich oft gerne einfach mit dem Rucksack auf dem Rücken losmarschiert. Aber getan habe ich es noch nie, ich habe immer nur das getan was am einfachsten war. Vielleicht tut es mir gut einmal der Möglichkeit es zu tun beraubt zu werden, vielleicht mache ich es ja deshalb irgendwann wirklich, weggehen, die Welt sehen.

Ich warte auf zwei Wochen Ferien um wieder einmal einen klaren Kopf zu kriegen, falls ich so etwas je gehabt haben sollte.

Ich wache auf, in der dunklen Stille nur die regelmässig, friedlichen Schlafgeräusche der Zimmerkameraden. Der Kopf dröhnt, ich suche ein Taschentuch und plötzlich fällt mir auf das auf meinem Handy ja immer noch Musik läuft, ich muss einfach eingeschlafen sein. Morgen dürfte Freitag sein oder erst Donnerstag, Samstag?

Vielleicht habe ich das alles ganz bewusst selber ausgewählt, vielleicht habe ich geglaubt es wäre eine Lebenserfahrung die mich weiterbringen könnte, vielleicht habe ich mich ein wenig darauf gefreut, als es noch weit weg war. Vielleicht habe ich mich im letzen Jahr sehr verändert, vielleicht bin ich in einem Alter wo man das noch darf und vielleicht auch nicht.

Vielleicht würde ich es heute nicht mehr machen und vielleicht doch.

Ich schweife ab, denke an Kindergeschichten, an Robin Hood der im Wald gelebt hat, das ganze Jahr, an den heulenden Eiswind in Wolfsblut und an Robinson Cruise den ich so lange bewundert habe. Im Dunkeln liege ich da und denke zurück an all die Bücher die ich als kleiner Junge gelesen habe und an die Geschichten die mir erzählt wurden. Mit einer Spur von Sehnsucht sehe ich mich damals, als ich noch nicht wusste das Abenteuer schmerzhaft sein müssen, als ich noch nicht wusste wie sich eine Winternacht im Freien anfühlt und als ich noch voller Bewunderung zu ihnen hinaufsehen konnte, meinen Helden.

Damals als ich noch nicht wusste dass es sie alle nie gegeben hat.

Vielleicht ist aber ein Schritt näher zur Realität nicht das schlechteste was einem passieren kann.

Ich zittere plötzlich und verstehe gar nicht recht wieso, ziehe mir dann ein Pulli an und gehe durch die Tür hinaus in den breiten Gang der Kaserne. Zweiundreissig Neonröhren entzünden sich durch den Wärmemelder an der Wand, nur für mich allein. Der Spiegel der Toilette gewährt mir einen Blick auf das erbärmliche Antlitz meiner selbst. Mitten in der Nacht, im Delirium des Halbschlafs und melancholischen Gedanken nachhängend würden sicher auch Brad Pitt und Johnny Depp scheisse aussehen. Doch trotzdem ist die Schlafenszeit eine der wenigen Phasen in denen ich weder Tarnanzug noch Uniform tragen muss, in der ich ein kleines bisschen ich sein darf, zumindest äusserlich.

Ich gehe zurück und schlafe, um ein oder zwei Stunden später schon wieder geweckt zu werden. Tagwacht, los auf zu neuen Heldentaten.