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Die Nachrichten über die Erdbebenkatastrophe und die Nukleare Bedrohung in Fukushima nehmen langsam ab. Dies liegt jedoch nicht etwa daran, dass sich an der gefährlichen Situation rund um das Atomkraftwerk etwas verändert hätte. Es passiert viel mehr darum, weil der Unterhaltungseffekt einer Katastrophe stetig abnimmt, umso länger sie andauert. Mir kommt das ganz gelegen, denn ich glaube das sich die meisten Leute auch weniger sorgen machen, seit die Medien etwas weniger hysterisch berichten.

Was mich verwirrt hat in den letzten Wochen, war die Tatsache das besonders die japanische Regierung immer wieder als Hinterzieher wichtiger Informationen, verschleiherer Messungsdaten und anderen Neuigkeiten aus Fukushima dargestellt wurde. Dies geschah jedoch nicht nur in den Medien sondern ich habe auch von vielen Freunden und Bekannten immer wieder gehört was für eine Sauerei die japanische Informationspolitik doch sei. Dies stimmt natürlich, die japanischen Verantwortlichen gaben während dieser Kriese kein besonders gutes Bild ab. Seltsam fand ich nur, dass sehr ich bei sehr vielen Berichten und Gesprächen das Gefühl wargenommen habe, dass dies an Japan liegt.

Japan hat kein Grundsätzlich anderes politisches System als wir es kennen. Die Pressefreiheit steht ausser Frage, es gibt kein Informationsmonopol des Staates und die Wirtschaft ist grösstenteils Privatisiert. Natürlich gibt es in anderen Bereichen erhebliche Unterschiede. Aber Japan ist eine Industrienation, ein neutrales Land und eine Demokratie.

Genau aus all diesen Gründen wäre es ein grosser Fehler zu glauben, die Informationspolitik der japanischen Regierung sei beabsichtigt oder kontrolliert. Womit wir es hier zu tun haben, ist viel mehr die Onmacht einer demoktratischen Regierung gegenüber einem Wirtschaftskonzern. Einem Wirtschaftskonzern der torkelt, dessen Umfallen jedoch für das ganze Land und damit die ganze Welt ins wanken bringen könnte.

In meinen Augen steht die japanische Regierung hier vor den gleichen Problemen wie die USA letzten Frühling, als nur BP wusste wie man das Loch in Golf von Mexiko stopfen kann und die Mittel dazu zur verfügung hatte. Es ist im Grunde genommen ebenfalls die gleiche Situation wie jene in der sich alle Länder, die international tätige Banken beheimaten nach der Finanzkriese vor zwei Jahren befunden haben. In der Eurokriese scheinen ebenfalls Ratingagenturen und Spekulanten mehr Einfluss zu haben als alle EU Finanzminister zusammen. Natürlich stellt uns jede dieser Kriesen vor ganz andere Probleme. Die Katastrophe hier in Japan mag Grösser sein oder gewaltiger, man kann das sehen wie man will. Was ich jedoch sehe ist ein Staat der für Probleme geradestehen muss, die ein Unternehmen verursacht hat – neben allen anderen Problemen die gerade da sind. Man erkennt die gleiche Onmacht.

Der Staat verfügt einfach über gar keine Informationen die er verschleiern kann. Die Verantwortlichkeit und damit aber auch das Know-how konrolliert eine private Behörde. Natürlich kann man jetzt vom Staat verlangen das er die Kontrolle übernimmt und Tepco aufkauft, was eigentlich nötig wäre oder nötig gewesen wäre. Erst dann jedoch hätte sich der japanische Staat in jener Position befunden, in den ihn viele westliche Beobachter vermuten. Alles was er bisher machen konnte, war die Feuerwehr und Armee hinschicken, Messungen durchführen wo es möglich ist und die Informationen weiterleiten die zur Verfügung standen.

Ich sehe darin keine Unterschiede zu den Optionen die westliche Regierungen in ähnlichen Situationen hätten. Das japanische Volk steht den gleichen Problemen gegenüber wie wir es auch tun würden, daraus sollten wir lernen und keine Grenze ziehen im Glauben dort sei sowieso alles anders.

Ausserdem kann die Demokratie auch in Japan ihre Stärken ausspielen. So werden Beispielsweise die Strahlenwerte in Tokio von den Präfekturbehörden gemessen und nicht von der Zentralregierung. Der Gouverneur von Tokio ist Parteilos, hat also kein Interesse daran irgendetwas zu verschleiern.

Gestern und heute hat hier in Osaka die Zeit der Kirschblüten begonnen. Die Tochter meiner Gastfamilie heisst Sakura, sie wurde heute zwei Jahre alt. Ein passendes Datum, denn Sakura bedeutet, wie wohl vielen bekannt sein dürfte Kirschblüte. Aus diesem Grund hat es sich mein Gastvater heute nicht nehmen lassen einen halben Tag freizunehmen um mit Sakura und mir unter den Kirschbäumen am kleinen Fluss hier in der nähe zu Picknicken. Als die Schule meiner Gastmutter fertig war, ist sie dann auchnoch dazugestossen. Es war wundervoll dort unter den Kirschblüten mitten im Rosaweiss zu sitzen, zu reden und in die Kirschblüten hinauf zu starren.

Ich glaube nicht das die Kirschblüten den Japanern Hoffnung vermittelt, danach suchen sie aber auch gar nicht. Die Kirschblüten sind einfach schön. Falls sie dennoch eine Aussage haben, ist es wohl jene, dass alles vorbei geht. Vergänglichkeit nimmt einen hohen Stellenwert ein in der japanischen Kultur, für das Schöne genauso wie für das Unerwünschte.

Genau deshalb fasziniert ein Schweizer Brauch die Japaner wohl ganz besonders. Viele Japaner haben mich bisher auf diese Geschichte angesprochen. Es scheint so als würde jeder Japaner wissen, dass wenn in der Schweiz ein Kind geboren wird, es einen Käse bekommt. Dieser Käse wird dann, wenn das Kind später irgendwann alt wird und stirbt, von den Verwandten gegessen. Ich selber habe von diesem Brauch jedoch noch nie gehört. Vermutlich ist es nur eine Geschichte. Es fasziniert die Leute hier jedoch vermutlich, weil sie alles mögen was ein Anfang und ein Ende hat. Genau wie die Zeit der Kirschblüten-

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