So langsam habe ich mich hier in Japan richtig gut eingelebt. Am Freitag vor einer Woche war ich auf der Stadtverwaltung von Hiratsuka und habe mich da angemeldet. Nun geht es noch zwei Wochen bis ich meinen Immigrationsausweis bekomme, damit kann ich dann die sechs Monate in Japan bleiben. Ich brauche diesen Ausweis auch um ein Bankkonto eröffnen zu können und um ein Mobiltelefon kaufen zu können. Solche Dinge sind in Japan enorm kompliziert wie ich finde.

 

Das schwierigste ist und bleibt vermutlich auch das lesen. In Orten wo es nicht viele Ausländer gibt, ist eigentlich alles ohne westlliche Buchstaben geschrieben und selbst kleine Dinge wie ein Busfartplan werden auf einmal schwierig. Aber obwohl mein Japanisch natürlich immer noch sehr dürftig ist ( obwohl ich schon mehr kann als ich gedacht hätte ) kann ich eigentlich immer irgendwie mit den Menschen kommunizieren und da die Japaner bekanntlich seh hilfsbereit und freundlich sind, habe ich bisher immer alles recht einfach gefunden.

 

Letztes Wochenende war ich mit meiner Gastfamilie am Strand und wir haben Beachvolleyball gespielt, Tee getrunken und Muscheln gesammelt. Ich habe einen Stein gefunden der aussieht wie ein Stück Quarktorte, der kommt jetzt immer mit auf den Tisch wenn es etwas süsses gibt und wird auch sonst von den Mädchen als „Cheesecake“ verehrt. Ausserdem hat mir letztes Wochenende ein Freund Yokohama gezeigt. Da er da wohnt, kennt er alles sehr gut. Wir sind zu Fuss durch die Stadt geschlendert. Vom Bordellviertel ganz unten in der Stadt durch China Town, bis zu einem gehobeneren Stadteil mit Blick auf die Brücke über die Yokohama Bucht, welche die Präfekturen Kinagawa und Tokyo miteinander verbindet. Dann sind der Bucht entlang zurück ins Zentrum Yokohamas geschlendert oder getorkelt.

 

Am Sonntag vor einer Woche war ich dann mit der Familie beim Tokyo Maraton. Obwohl ich bekanntlich kein grosser Läufer bin, war das ein ziemlich beeindruckendes Erlebnis. Vermutlich ist das bei jedem Maraton in einer Grosstadt ähnlich, trotzdem war ich von der puren Masse der Teilnehmer und Zuschauer beeindruckt. Ausserdem war es ganz interessant zu sehen wie die masochistischen Japaner und Japnerinnen nach 42km immer noch lächeln, während alle anderne nur noch leere Gesichter haben und sich in sich selbst zurückgezogen haben.

 

Letzte Woche habe ich dann angefangen im Kindergarten zu arbeiten. Ich habe mir einen Kindergarten in Japan anders vorgestellt. Ich dachte da läuft sicher alles enorm strukturiert ab und den Kindern werden strenge Regeln eingetrichtert. Dem war aber nicht so, ich war eher erstaunt über den offenen Weg mit dem die Lehrer versuchen den Kindern das erste Wissen zu vermitteln und über die Energie die aufgewendet wird damit sich jedes Kind wohlfühlen kann. So haben zum Beispiel letzte Woche die Lehrer jedem Kind einen persönlichen Brief geschrieben und für eine kleine Zwischenjahreszeremonie haben die Kinder, die Mütter und die Lehrer jeweils als Gruppen richtig grosse Theater eingeübt. Etwas was bei uns nicht einmal am Ende des Schuljahres geschieht. Ausserdem wird auch jeden Mittag in der Schule gegessen.

 

So langsam kommen auch die ersten Kirschblüten zum Vorschein. Es ist faszinierend welche Liebe und Zuwendung die Japaner, durch alle Schichten und Generationen für diesen Pflanzenteil aufwenden. Kirschblüten haben viele Bedeutungen auf einmal. Sie stehen für die Hoffnung auf das Ende des Winters und den Aufbruch in den Frühling, für Schöhnheit und für deren Vergänglichkeit. Fast die Hälfte aller Laubbaume die in Japan stehen sind Laubbäume und sobald die Kirschblüten richtig rauskommen wird alles Pink sein. Etwa 70% der Japaner haben eine Blütenstauballergie, das tut der Freude an den Kirschblüten jedoch keinen Abbruch.

 

Am Freitag war ich mit meinem Gastvater und seinen Arbeitskollegen Fussball spielen und am Samstag mit anderen Arbeitskollegen Baseball. Beides war lustig, ich hatte dann aber auf einmal ziemlich Muskelkater. Am Sonntag waren wir dann aber im Park und haben sonst nicht viel gemacht.

 

Am Sonntag Abend habe ich dann Rösti gemacht für meine Gastfamilie. Dazu gab es geschnetzeltes, Bratensauce und Rahmgemüse. Ich glaube das ist mir alles ganz gut gelungen, jedenfalls wurde alles aufgegessen. Auch sonst bin ich erstaunt wie interessiert die Japaner an fremden Dingen sind. Im Kindergarten habe ich Beispielsweise Schernschnitte eingeführt und die Kinder wollten für mehrere Tage nichts anderes mehr machen. Nicht einmal die Eltern hatten zuvor etwas davon gehört. Dafür kann jedes dieser Kinder einen Origami Schwan falten.

 

Heute bin ich nach der Arbeit noch etwas mit dem Rad herumgefahren. Und als ich da so in der Masse der japanischen Radfahrer untergegangen bin wurde mir mit einem Mal klar, das ich jetzt wohl endlich angekommen bin. Nächstes Wochende werde ich mit meiner Gastfamilie in die Region des Fuji-san fahren und dort zweimal übernachten. Ich hoffe Mal das Wetter bleibt gut.



Advertisements