Ich bin nun erst vier Tage in Japan aber es kommt mir wie eine Ewigkeit vor. Mein Plan war die ganze Zeit über mit kleinen Abenteuern gespickt. Ich war bereits eine Stunde lang ein Samurai, habe eine traditionelle Tee Zeromie miterlebt, habe das elektronik Viertel Akihabara besucht, Sushi und Ramen gegessen und bin unendlich viel U-Bahn gefahren.

Doch vielleicht fange ich am besten ganz vorne an.

Meine erste Lektion in japanischer Genauigkeit wurde mir bereits im Flugzeug erteilt. Erstaunlicherweise kam die Crew des Austrian Airlines Flug auf einmal mitten in der Nacht auf die Idee Ramen zu servieren. Die japanische Nudelsuppe war offensichtlich ein kleines Special des Fluges nach Tokyo. Jedenfalls wurde durch dieses Ereignis mein Verhältnis zu der älteren japanischen Dame neben mir mit einem Schlag intensiviert. Nach meiner Hilfe ihren Bildschirm in Gang zu bringen und ihr Gepäck zu verstauen, sah sie nun ihre Stunde gekommen um meine Hilfe zu erwidern. Vom aufmachen der Essstäbchen bis zum ineinanderlegen von Essschale und Abfall wurde mir alles ganz genau und anschaulich erklärt. Sogar die Wegwurfstäbchen wurden aufmerksam zurück in die Papierhülle geschoben und das ende des Papiers wurde eingeknickt. Diese Liebe zu alltäglichen Gegenständen findet man in Japan in jeder noch so kleine Sache, ob diese Gegenstände seit dreisig Jahren im Haus herumstehen oder im nächsten Moment weggeworfen werden, spielt dabei keine Rolle.

Narita

Am Flughafen Narita, Nordöstlich von Tokyo war es gerade Morgen als wir ankamen. Im Mikrokosmos des Flughafens wird einem gar nicht so recht bewusst, dass man an einem ganz anderen Ort ist. Wir wurden abgeholt und fuhren dann mit der U-Bahn ins Zentrum von Tokyo wo meine Gastfamilie wartete. Bis jetzt ist mir noch kein japanisches Klischee aufgefallen, dass meine Gastfamilie nicht erfüllen würde. Ich lebe im Haus der Eltern der Familie Monai. Der Sohn und die Tochter der Familie sind beide schon etwas älter und haben selber Kinder. Trotzdem habe ich jedoch beide schon getroffen. Ich war natürlich wegen dem Jetlag enorm müde aber die Familie hatte am Freitagabend bereits Makisushi (gerollte Sushi) vorbereitet. Dabei werden alle Sushi Zutaten auf den Tisch gebracht und alle machen ihr Sushi selber, eine wirklich tolle Mahlzeit. Dazu gab es noch einige andere Gerichte, weil die Familie dachte ich mag vielleicht rohen Fisch nicht. Leider haben wir das Internet auf meinem Laptop noch nicht einrichten können, der Familie ist das überhaupt nicht recht, ich glaube sie machen sich deshalb enorme Sorgen. Noch viel grössere als ich selbst. Leider getraute ich mich doch nicht ihnen zu sagen, dass ich über zehn Freizugängliche Netzwerke im Quartier zur Verfügung habe. Nach dem Sushi essen bin ich dann schnell eingeschlafen. Schliesslich hatte ich extra in der Nacht vor dem Flug wenig geschlafen um mich an den neuen Rythmus anpassen zu können.


Als ich dann am Samstag aufgestanden bin, erwartete mich bereits ein riesiges Frühstück. Die Zeit die hier für die Zubereitung der Mahlzeiten aufgewendet wird ist gigantisch. Es gibt nicht wie bei uns jeweils ein Gericht mit meistens einer Beilage, sondern wenn alle zusammen essen fünf bis 15 kleine Teller wo immer etwas anderes dabei ist. Gegessen wird von allem ein bisschen und alles durcheinander. Eine japanische und eine westliche Variante gab es auch beim Frühstück. Inzwischen konnte ich der Familie jedoch erklären, dass ich japanisches essen mag. Die Eltern sprechen so gut wie kein Englisch, deshalb habe ich bereits viel mehr japanisch gelernt als ich erwartet hätte.

Nach dem Früstück am Samstag wollte mir der Sohn der Familie unbedingt Akihabara zeigen. Das er sich obwohl er eine Familie und zwei kleine Kinder hat, extra dafür Zeit nahm fand ich sehr beeindruckend. Japaner sind enorm neugierig was Leute aus dem Rest der Welt angeht und wirklich an allem sehr interessiert. Gleichzeitig sind sie jedoch auch sehr schüchtern, besonders im ersten Moment. Dies gilt zumindest all jene die ich bisher getroffen habe. Ausländer sind selbst in Tokyo eine gewisse Seltenheit, ausser in den grossen Touristen Regionen natürlich. In der U-Bahn schlage ich gelegentlich den Kopf an. Auf dem Weg zur U Bahn Station habe ich den ganzen Weg fotografiert, es ist ein etwa zwanzig minütiger Fussmarsch, durch recht enge Strassen die sich kaum unterscheiden und keinen geraden Verlauf haben. Ohne diese Fotos wäre ich am Abend verloren gewesen. Akihabara war super aber wir hatten natürlich zu wenig Zeit alles genau anzugucken.

Akihabara

Nach Akihabara gab es im Büro der Organisation ICYE mit der ich hier bin eine kleine Wilkommensparty für alle die in Japan einen Sozialeinsatz machen. Zuhause war ich dann wiederum sehr müde und ging gleich ins Bett.

Bei der UBahn Station Urawa in Saitama City

Lion King hats auch =D

Gestern waren wir dann an einem Festival oder vielleicht eher einer Messe internationaler Organisationen zum einen und Verbänden die sich alten japanischen Traditionen widmen zum anderen. Dort traf ich auf „echte“ Samurais und wurde selbst als einer Verkleidet. Anschliessend nahmen wir an einer traditionellen Tee Zeremonie Teil, falteten Origami und spielten mit Katanas. Als wir jedoch japanische Manderinen gegessen haben, wollte mir jemand erklären wie man richtig Manderinen schält. Dabei ist es weit herum bekannt das ich der beste Manderinenschäler bin. Ich schaffe das in einem Schritt, immer. Die Japaner auch, nur bei denen sieht die Schale am Ende aus wie ein Blume. Und das machen echt alle Japaner so. Kalligrafiert haben wir dann auch noch – erfolglos.

Fuji-San auf dem Weg nach Orawa

Nach dem Festival haben wir noch die Burg von Odawara besichtigt, das war in der Nähe des Festivals.

Sushi o.o

Blüten im vorgarten der Burg

Orawa Castle


Als ich dann gestern nach Hause kam, war auch noch die Tochter der Familie gekommen. Sie lebt eigentlich in Osaka aber ihr Mann hat ein Buisness Meeting in Tokyo also kam sie mit ihrer Tocht er zu uns. Heute hat mir die Familie dann noch voller Stolz die Altstadt von Saitama und den Tempel gezeigt.

Sakura-Chan

Icecream!!!!!

Icecream!! Icecream!!!

Rotes Sushi

Es ist wundervoll hier. Was mir am besten gefällt ist diese Friedlichkeit überall, es wird nie laut geredet, nie geschrien und nie öffentlich gestritten. Obwohl jeder Japaner ein Handy hat und davon exzessiven Gebrauch macht, wird komischerweise kaum telefoniert und wenn dann nur leise. So kommt es, das trotz diesen vielen Leute, die es oft recht eilig haben, sich alles in einem ruhigen, angenehmen Einklang befindet.

Advertisements