Er kam sich vor wie der verdammte Stauffenberg, wobei jener wenigstens gewusst hatte was er tat oder tun wollte.

Er sass auf seiner Bank im Park und starrte auf den kleinen See hinaus. Ein kleiner Junge warf in der Nähe Steine in das ansonsten ruhige Wasser.

Gestern Nacht wurde ihm alles klar. Wieso sie plötzlich hierher gekommen waren, wieso er plötzlich mehr Freizeit bekommen hatte und das alles war tat von jemand anderem längst geplant gewesen war.

Plötzlich wurde ihm bewusst wie klein er war.

Er hatte sie unterschätzt. Niemals hätte er geglaubt dass sie irgendetwas wissen konnte.

Mitten in der Nacht war er aufgestanden und hatte den Computer angemacht, mitten in der Nacht hatte er herausgefunden was sie alles herausgefunden hatte.

Zu viel. Es war zu kurz davor um etwas anderes zu tun als dies. Zu viel, zu späht.

Er sah sie schon von weitem.

Sie schien keine Angst zu haben, näherte sich leichten Schrittes und setzte sich neben ihn. Ihr Gesicht zeigte kaum Gefühle, wie immer.

Sie legte seine Hand auf seine und fragte ihn ob er nur deshalb gekommen sei.

Er spürte wie er blasser und blasser wurde, wie sich seine Kehle zusammenzog.

Sie erklärte sie könnten doch einfach weggehen von dem allem, sie könnten weit weg gehen und ein normales Leben führen.

Er sagte nichts, er konnte nicht.

Sie sprach davon dass sie kaum jemandem erzählt hatte was sie wusste und niemals etwas davon in ihrer Zeitung schreiben würde.

Er fragte sie warum sie hierher gekommen sei. Er blickte in ihre dunklen, wundervollen Augen hinein und fragte wütend warum sie nicht einfach habe verschwinden können. Warum sie gewartet hatte obwohl sie wusste wer er wirklich war und warum sie…

Sie lächelte stumm und strich eine Strähne seines schweissnassen Haars aus seiner Stirn. Ich liebe dich, ich habe dich immer geliebt. Ich weiss was ich weiss nur weil ich wissen wollte was aus dir geworden war.

Ein verdammter Terrorist.

Wir werden einen gewaltigen Umsturz herbeiführen, wir werden alles verändern was einmal war, wir werden verändern wie es einmal sein wird. Ich bin nur ein Blatt im Wind, genau wie du. Doch dies ist meine Vision, dies ist mein Leben. Du weisst das.

Sie küsste ihn.

Er roch ihren Duft, fühlte ihren Körper, sie war überall um ihn herum.

Sie hielt inne und fragte ob es weh tun würde.

Er erklärte ihr sie sei bereits tot seit sie sich gesetzt habe, das Gift beginne in einigen Minuten zu wirken. Sie würde einfach einschlafen.

Sie lächelte. Werde glücklich.

Er bereute nur ihr nie gesagt zu haben dass er nicht deshalb wiedergekommen war.

Als ihre Leiche auf dem Grund des Flusses geborgen wurde, war er längst in einem Land weit weg von dort, mit Frauen ganz anders als sie.

Um zu vergessen.

Dies ist ein Kapitel der abgeschlossenen Kurzgeschichte Wiederkehr im Sommerregen

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