Bis die beiden sich wiedersahen verging eine ganze Woche.

Er hatte viel zu tun, redete er sich zumindest ein und es war heiss gewesen. Wenn es heiss war fühlte er sich immer sehr träge. Nach der Arbeit kam er jeweils in seine kleine Wohnung und war nicht fähig irgendetwas Wichtigeres zu erledigen. Er schlief jedoch auch nicht viel.

Da sass er also, vor dem Telefonhörer im Wohnzimmer.

Er hatte kein Mobiltelefon für private Zwecke. Ihm erschien der Gedanke enorm unromantisch den ganzen Tag erreichbar zu sein, auf der Arbeit jedoch war es unausweichlich geworden. Leuten die er nicht von der Arbeit kannte gab er jedoch einfach die Nummer nicht, es waren ohnehin nicht viele.

Er überlegte was er ihr sagen sollte.

Er war weit gereist und hatte viele Menschen kennengelernt und auch wieder vergessen. Irgendwann hatte er jedoch, praktisch am Ende der Welt seinen Cousin Jean getroffen. Dieser war durch die Gründung eines sehr modernen Unternehmens sehr reich geworden. Weil er sich immer gut mit Jean verstanden hatte, verbrachten die beiden von da an viel Zeit miteinander.

Jetzt arbeitete er für seinen Cousin, als so eine Art persönlichen Manager oder Butler. Gleichzeitig war er jedoch auch sein Vertrauter, der dafür sorgte das die Unternehmung sowie auch ihre gemeinsame Organisation, die sich stets am Rang der Legalität bewegte zumindest nach aussen ein gutes Bild abgab.

Robin Hood hielt sich schliesslich auch nicht an Gesetze.

Menschen zu helfen war immer sein Traum gewesen, seine Vision. In seiner Heimat hatte er sich jedoch stets sehr eingeengt gefühlt. Irgendwann war er einfach gegangen, ohne vielen viel zu sagen. Nur einigen recht wenig. Jetzt war er hier, seinen Traum hatte er auf der einen Seite aufgegeben, auf der anderen verfolgte er ihn eigentlich jeden Tag.

Aus dem helfen vieler Menschen war das dienen einiger wenigen geworden, mit der Hoffnung damit vieles zu verändern.

Er nahm den Hörer und wählte ihre Nummer.

Sie war irgendwie anders, wenn auch im Grunde genommen ähnlich. Sie hatte seine grossen Träume nie geteilt oder sie dachte einfach weniger  grossflächig. Im Gegensatz zu ihm hatte sie sich stets eingestanden dass man die Welt nicht verändern konnte, doch trotzdem half sie allen Menschen die sie traf in ihrem Alltag. Ihren Nachbarn und Freunden, manchmal glaubte er sie war sich dessen vielleicht gar nicht so recht bewusst.

Er hatte dies nie getan, jenen Menschen die ihm eigentlich sehr nahe standen hatte er nie besonders viel geholfen, er war zwar immer freundlich aber gleichzeitig sehr distanziert und zurückhaltend.

Sie war herzlicher, hatte er zumindest geglaubt.

Er war nicht gut am Telefon, es machte ihn sehr nervös es benutzen zu müssen. Es gab immer diese ekelhaften Pausen wenn niemand was sagte und dann konnte man nicht einmal lächeln. Für Private Dinge benutzte er es nur wenn es wirklich nicht anders ging. Oft ging er gar nicht ran wenn er Zuhause war und jemand anrief.

Hallo ich bin nicht Zuhause, hinterlasse eine Nachricht oder ruf später wieder an.

Hey, hm… Ich hab an dich gedacht. Ja, eigentlich denke ich die ganze Zeit an dich. Ich werde heute in den Park gehen, ist ein schöner Tag. Ja, ein wirklich schöner Tag, nach der Arbeit werde ich in den Park gehen, ich sitze immer noch am selben Platz. Vielleicht kommst du ja vorbei, bis dann.

Er legte auf.

Dies ist ein Kapitel der abgeschlossenen Kurzgeschichte Wiederkehr im Sommerregen

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