Das hier ist dann also Amerika, die grossen verhassten vereinigten Staaten, Washington State Olympia Town. Der Taxifahrer der mich vom Flughafen abholt weis dass der Name Jan eigentlich aus Skandinavien kommt, dass die Schweiz vier Landessprachen hat und dass diese seltsamen Smart Autos von denen eines zwischen den vielen Pick Ups an uns vorbeifährt, eigentlich aus der Schweiz kommen. Er glaubt wir haben die gebaut weil wir so kleine Strassen und Autobahnen haben, unsere Strassen wurden ja ursprünglich für Pferd und Wagen gebaut, nicht wie hier, erklärt er mir.

Ich glaubte eigentlich, ich könnte kein Wort Englisch aber es geht sehr gut. Der Umstieg von Militär hierhin ist etwas gross, dafür erscheint mir alles viel besser denke ich. Die Familie bei der ich wohne verstehe ich ehrlich gesagt noch nicht ganz, aber sie sind auf seltsame Weise ziemlich interessant. Die Mutter und die Tochter sind Amerikanerinnen wie man sie sich vorstellt, kochen und essen auch so. Valerie, dass ist die Mutter, hat mir gestern erzählt das sie zwei Mal Zwillinge bekommen hat, sonst keine Kinder. Ich hab ein wenig gelächelt, erstaunlich ist es ja schon. Danach hat sie mir erzählt dass ihr Sohn auch zweimal Zwillinge hat.

„But we’re not takin any pills Jan. “, sagte sie lachend.

Auf den Familien Fotos und in allen Gesprächen hat sie nie auch nur am Rand den Vater ihrer Kinder oder gar ihren Mann oder irgendetwas in der Art erwähnt, wenn ich nicht wüsste das man sowas aus biologischer Sicht in den meisten Fällen braucht, würde ich annehmen sie wäre selbst auf die Idee gekommen Kinder auf die Welt zu stellen. Der Keller meiner Gastfamilie ist eigentlich ein kleines Apartment für Austauschstudenten wie mich, eigentlich hätte es hier vier Zimmer aber im Moment sind wir nur zwei.

Ken kommt aus Thailand, er braucht Morgens für das Frühstück 20 Minuten, im Bad weitere 15 und hat sich danach eigentlich immer noch weder angezogen noch seine Schulsachen zusammen. Er hat mich als erstes als wir uns sahen gefragt ob ich ihn morgens wecken kann, weil für ihn sei sowas sehr schwer. Er hat es bisher nie geschafft den richtigen Bus nach Hause zu nehmen, genau jetzt telefoniert er mit Valerie weil er in die nächste Stadt gefahren ist mit dem Bus. Aber ich mag ihn, er ist immer gut drauf.

Das Evergreen College ist fantastisch, mitten in einem Wald voller Hirsche, mir sind davon schon fünf über den Weg gelaufen, es ist ein riesiger Campus und es scheint alles recht neu zu sein. Es gibt dort die grösste Bibliothek in der ich je war, eine hübsche Cafeteria, einen Bookstore, alle Zeitungen sind Gratis, ich kann Steuerfrei Dollars beziehen, es gibt ein Gym sowie ein Schwimmbad und eine Turnhalle was man alles jederzeit benutzen darf. In der Sprachschule gibt’s vor allem Leute aus Asien, aber auch einige Südamerikaner und wenige Europäer. Ich glaube bisher erst einen Deutschen getroffen zu haben, der aber erstaunlicherweise und vielleicht zum Glück nicht angefangen hat Deutsch mit mir zu sprechen. Mir gefällt es eigentlich richtig gut hier, nur das Essen ist echt mal mies und ich habe bisher nirgends Wasser gefunden das man trinken kann. Ach ja und der „Orangensaft“ den meine Gastfamilie hat ist ne Mischung aus Wasser und Glucose mit 2% Orange…steht so drauf, wie kann man sowas kaufen? Aber wie gesagt, eigentlich mag ich es hier.

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