Als sich heute Morgen ein Sonnenstrahl matt durch das düstere Himmelsilbergrau, die Kälte des eisigen Wintermorgens und die Rollladen meines Zimmers gekämpft hatte, war ich knapp dabei aufzustehen, doch noch nicht wirklich bereit dazu. Ich blieb also mitten unter meiner riesigen eigenen Decke liegen und genoss neben der Wärme vor allem das Gefühl Zuhause zu sein. Selber zu entscheiden wann, ob und was ich frühstücken will, kann so viel Wert sein.

Ich vermisste alles was ich von meinem Leben hatte bereits nach acht Wochen sehr, dabei ging es mir ja nicht einmal wirklich schlecht da wo ich war, im Vergleich. Plötzlich überkommt einem ein noch viel hässlicheres und furchteinflössenderes Gefühl als je zuvor, wenn man von 200 Millionen Wanderarbeiter in China liest, die vierzehn Stunden am Tag arbeiten und gerade einen freien Tag im Monat haben. Einen freien Tag, ein Monat. Ich bin nichts als dankbar, hier zu leben und plötzlich wütend auf jeden der sich beschwert.

Bereit jedem in Kummer versinkenden, erwachsen gewordenen Kleinkind den Mund blutig zu schlagen, jedes von ihnen in einen stets lächelnden Jocker zu verwandeln. Dabei bin ich vor der ganzen Sache so ein friedlebender Mensch gewesen, es liegt an diesem Ort.

Doch nur für wenige Momente, wenige Augenblicke bevor ich bedenke, wie oft es mir selbst nicht anders geht. Dann besinne ich mich und komme zur Ruhe, nacht Müdigkeit überkommt mich Trauern und ich könnte selber weinen, über das was ich bin, wurde, nie sein werde.

Gestern habe ich mich mit jemandem der relativ viel älter war als ich und ziemlich viel erreicht hat über Idealismus unterhalten. Er hat mir erzählt von seiner Zeit des Wiederaufbaus einer Gesellschaft und des Aufbruchs, ich konnte ihm nur sagen das der Idealismus etwas ist was ich auch gerne hätte. Doch in unserer Zeit, erscheint er mir relativ nutzlos. Die Welt ist ein Chaos ohne Gleichgewicht, ohne Kontrolle und jeder Mensch versucht von diesem Zustand zu profitieren, immer ihm Wissen das es damit verschlimmert wird.

Ich drehe mich um und schlafe weiter, ich mag nicht aufstehen, ich will träumen, von anderen Welten als dieser, mit besseren Menschen oder am besten garkeinen.

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