Müde stehen wir da, alle im Wissen bald gehen zu dürfen, bald Zeit zu haben. Auf der Predigerwiese hören wir uns an wie der Feldprediger mit hoher Stimme die Geschichte der Hirten erzählt die auf der Wiese den Engel getroffen haben. Wie er den Vergleich zieht zwischen uns und diesen Hirten, wie wir beide von der Welt abgeschnitten sind und uns nach Hoffnung sehnen. Die Predigerwiese, ironischer Weise genau jenes Stück Land auf dem wir noch einige Wochen zuvor das erste Mal Gefechtsrollen geübt und in Feuer und Bewegung ausgebildet wurden. Er spricht von jener Steinkanzel zu uns die wir Damals als Deckung benutzt haben und so kommt es, dass ich seine Worte gar nicht recht hören kann oder mag, alles ist viel zu falsch um richtig zu sein.

Trotzdem kommt in mir ein kleiner Funken Weihnachtsstimmung auf, ich bin nun einmal sentimental. Irgendwann versinke ich in den eigenen Gedanken, sehe das letzte Jahr und was alles passiert ist. Man fragt sich ob man sich verändert hat und kommt zum Ergebnis das man die Veränderung ist. Ich war nie ein Fixstern, nie etwas wonach sich andere gerichtet hätten, eher ein unsicher Komet, der nie recht wusste wo sie hinfliegen soll, ohne feste Laufbahn. Ich bin immer in Bewegung aber ohne Ziel. Das Blatt im Wind.

Finnenkerzen brennen im Schnee, ich atme Rauch und Frost, rieche Punsch und Glühwein. Ich merke dass dieser kleine Weinachtsgottesdienst vorbei ist, finde das gut obwohl ich eigentlich nicht wirklich etwas gegen die Kirche habe. Es war einfach absolut der ultimativ falsche Moment.

Seit acht Wochen war ich nicht mehr einen ganzen Tag Zuhause und nun habe ich zwei Wochen Ferien, der Heimweg kam mir vor wie der schönste Moment in meinem Leben. Es dürfte auch das schönste Weihnachten werden, denn erst wenn man weit weg von seinen Lieben ist, fängt man wirklich an zu merken was sie einem bedeuten.

Noch nie hatte ich weniger Zeit zum Geschenke kaufen, noch nie habe ich sie lieber geopfert.

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