Ich wache auf, in der dunklen Stille nur die regelmässig, friedlichen Schlafgeräusche der Zimmerkameraden. Der Kopf dröhnt, ich suche ein Taschentuch und plötzlich fällt mir auf das auf meinem Handy ja immer noch Musik läuft, ich muss einfach eingeschlafen sein. Morgen dürfte Freitag sein oder erst Donnerstag, Samstag?

Vielleicht habe ich das alles ganz bewusst selber ausgewählt, vielleicht habe ich geglaubt es wäre eine Lebenserfahrung die mich weiterbringen könnte, vielleicht habe ich mich ein wenig darauf gefreut, als es noch weit weg war. Vielleicht habe ich mich im letzen Jahr sehr verändert, vielleicht bin ich in einem Alter wo man das noch darf und vielleicht auch nicht.

Vielleicht würde ich es heute nicht mehr machen und vielleicht doch.

Ich schweife ab, denke an Kindergeschichten, an Robin Hood der im Wald gelebt hat, das ganze Jahr, an den heulenden Eiswind in Wolfsblut und an Robinson Cruise den ich so lange bewundert habe. Im Dunkeln liege ich da und denke zurück an all die Bücher die ich als kleiner Junge gelesen habe und an die Geschichten die mir erzählt wurden. Mit einer Spur von Sehnsucht sehe ich mich damals, als ich noch nicht wusste das Abenteuer schmerzhaft sein müssen, als ich noch nicht wusste wie sich eine Winternacht im Freien anfühlt und als ich noch voller Bewunderung zu ihnen hinaufsehen konnte, meinen Helden.

Damals als ich noch nicht wusste dass es sie alle nie gegeben hat.

Vielleicht ist aber ein Schritt näher zur Realität nicht das schlechteste was einem passieren kann.

Ich zittere plötzlich und verstehe gar nicht recht wieso, ziehe mir dann ein Pulli an und gehe durch die Tür hinaus in den breiten Gang der Kaserne. Zweiundreissig Neonröhren entzünden sich durch den Wärmemelder an der Wand, nur für mich allein. Der Spiegel der Toilette gewährt mir einen Blick auf das erbärmliche Antlitz meiner selbst. Mitten in der Nacht, im Delirium des Halbschlafs und melancholischen Gedanken nachhängend würden sicher auch Brad Pitt und Johnny Depp scheisse aussehen. Doch trotzdem ist die Schlafenszeit eine der wenigen Phasen in denen ich weder Tarnanzug noch Uniform tragen muss, in der ich ein kleines bisschen ich sein darf, zumindest äusserlich.

Ich gehe zurück und schlafe, um ein oder zwei Stunden später schon wieder geweckt zu werden. Tagwacht, los auf zu neuen Heldentaten.

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