Es ist seltsam, immer wenn ich weis das ich etwas Bestimmtes erledigen sollte, immer wenn ich bestimmte Anrufe tätigen sollte, bestimmte Arbeiten schreiben müsste oder bestimmte Gespräche führen sollte und wenn ich das Zimmer aufräumen müsste, geht das nicht. Zumindest nicht sofort.

Es sind diese Leute, sie sprechen darüber wie viel Geld sie in der Finanzkrise verloren haben und wie schade das es doch sei das Haider betrunken in den Tod gerast sei, immer das was in den Schlagzeilen steht brennt einem auf der Zunge, man will darüber reden, weil alle darüber reden. Wer redet vom neu entfachten Krieg in Afghanistan, wenn die USA gerade Rezession und Präsidentschaftswahlen zu bieten hat? Wer mag schon über Simbabwe oder Darfur Diskurse führen wenn wir genauso gut lesen können was Brad Pitt den ganzen Tag so treibt? Ignoranter Populismus.

Während ich also weis das ich etwas erledigen sollte, habe ich dieses seltsame Gefühl, ich meine die meisten kennen es vielleicht, dieses sich gedrängt fühlen. Bei mir ist das jeweils so, dass ich dann immer etwas suche das ich tun kann und doch nie etwas richtig anfange. Ich räume bisschen mein Zimmer auf, Chatte mal hier mal da ein wenig und das schlimmste ist: Sinnlosen scheiss im Internet lesen.

Ignoranter Populismus ist vielleicht genau das was unsere gute, idyllische, mächtige und allseits geliebte, westliche Gesellschaft dazu gebracht hat, dass man sie mit eben jenen benutzten Adjektiven beschreiben kann. Vielleicht verdanken wir der Ignoranz unsere Mittel und dem Populismus das Gefühl sich im Besitz von ersteren nicht schlecht zu fühlen, vielleicht umgekehrt. Ich weis es nicht, aber wäre es möglich dass unsere ganzes System vielleicht auf ignorantem Populismus aufbaut?

Sinnlose scheisse im Internet zu lesen oder gar zu suchen ist wie ein Fluch oder eine Sucht, keine Ahnung. Erst mal nur eben auf die News Seite vorbeischauen, nur um die beiden Hirnhälften schön mit nutzlosen Informationen vollzupumpen. Oh, ja Wetter ist immer gut, was haben wir den Heute? Grau. Stimmt sogar, wie ich durch mein Fenster erkenne. Temperatur? 6 Grad. Ok das ist kühl. Was haben wir Morgen? Ok, alles klar. In London? Ähnlich wie hier eigentlich? Moskau? Brrr…uswusw. Doch dann kommt das schlimme, passt auf: Warum zum Teufel ist es den in Hongkong  9 Grad kühler als in Peking? Schon werden Wikipedia Einträge zu der geologischen Lage der beiden Städte gelesen und bei Google Earth schaue ich nach wie weit die beiden Städte auseinander liegen. Vom Wiki Eintrag von Peking, lande ich schliesslich auf der Website des Olympischen Komites, ach ja wo finden den die nächsten Spiele statt? Vancouver, cool. Wo liegt Vancouver eigentlich genau? Achso ganz links unten in British Columbia, das mal ja krass, eigentlich direkt über Seattle…ich fand dann raus das Seattle gar nicht die Hauptstadt des Staates Washington ist, sondern Olympia, also das ist auch ne Stadt da und dann habe ich mich dabei erwischt wie ich die Nationalparks des Staates Washington bei Google Earth genauer angesehen habe. So kann sich dieses gedrängt fühlen auf mich auswirken, jaja…Meine ganz persönliche Form von ignorantem Populismus.

Was wäre eigentlich wenn wird uns alle für die Leute interessieren würden denen es schlechter geht als uns, was wäre wenn wir nicht alle so ignorant dem Populismus, der Medien oder eigentlich ja unserem eigenen Populismus folgen würden. Ich spreche nicht von einige Freigeistern und Idealisten sondern von einer ganzen Gesellschaft, von einer ganzen Kultur von Dauerkonsumenten. Was wäre wenn sich jeder einmal ein kleines bisschen mehr für soziale Konflikte in Südamerika, Überschwemmungen in Südostasien und hungernde Kinder von sonstwo interessieren würde? Ich weis es nicht genau, aber irgendwie bin ich überzeugt davon dass wir ihnen allen helfen könnten, das Problem wäre nur der Preis. Macht, Idylle und Mittel, wir müssten nicht ganz darauf verzichten aber wir würden von allem ein kleines bisschen einbüssen, wenn wir uns alle dafür interessieren würden. Wir könnten nicht mehr unser wundervolles Seifenblasenleben führen und mehr Geld für Tommy Hilfiger, Calvin Klein und Diesel Industries ausgeben als für Lebensmittel. Ich meine es würde uns nicht wirklich schlechter gehen, Geld macht nicht glücklich, unglücklich macht es nur es zu verlieren.

Vielleicht ist ignoranter Populismus eine Art Schutzmechanismus von uns, der uns unsere privilegierte Stellung in der Welt bewahrt, weis ich nicht. Ob ich ihn gut finde? Auf jeden Fall, wünschte ich mir manchmal er wäre nicht da, ich hätte ihn selber nicht. Doch ich dürfte nicht der erste sein, denke ich.

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