Der andere Herbst. Ein grauer Morgen, ich gehe über den grauen Asphalt der Strasse, der Himmel ist grau gefärbt, unter den Bäumen liegen Blätter die ihr herbstrot längst verloren haben und sich stetig hässlich braungrau färben, während sie langsam vermodern, Herbstmode. Ich trage die graue Jacke, schwarzgraue Hosen und die grauen Schuhe, die vor einiger Zeit einmal weis gewesen waren, glaube ich. Mein Halstuch schwarz, braun, grau.

Der rote Zug kommt, rot, stechendes rot im allgegenwärtigen Grau, sieht aber weniger stilvoll aus als diesen Lippenstiftrot in Sin City, Realität sieht viel zu selten stilvoll aus. Ich steige ein, dort ist sie, sitzt da, sieht mich. Ich hätte hallo sagen sollen, vielleicht sagen sollen dass es mir leid tut, die Dinge von früher, vielleicht irgendetwas sagen. Aber ich sehe sie nur an, verziehe mein Gesicht zu einem unnatürlichen Lächeln und setze mich in der anderen Richtung irgendwo hin. Viel zu schwierig, was hätte es gebracht? Keine Ahnung, ihr vielleicht nichts und dafür mir, mir vielleicht nichts aber ihr?

Am Fenster zieht grau nach grau vorbei, ich liebe den Herbst, ich glaube er ist realer als der Sommer, der uns immer vorgaukelt wie wundervoll alles wäre und ich mag diese Sommersonne nicht, die mir sarkastisch ins Gesicht lacht und sich ab der scheinbar fürchterlich lustigen Ironie meines Seins amüsiert.

Ich mag den Herbst weil er mir die Wahrheit sagt, weil er mich ein wenig Sehnsüchtig macht und nicht so tut als wäre einfach so alles einfach so in Ordnung. Ich mag den Herbst der Kälte wegen, dem Wind der Halstücher und braunrote Blätter tanzen lässt, der mir sagt das ein Ende naht, mir den Neubeginn verkündet, mir davon erzählt dass alles stirbt und im Frühling neu beginnt.

Wenn der Herbstwind leise pfeifend davon erzählt, grau, in grau mit unstilvollem bräunlich, düsterem rot.

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