Ich sitze da und esse diese wundervolle Kreation aus Kalbfilet Medaillons gefüllt mit einer herrlichen Steinpilzsauce, die auf faszinierende Weise schneller auf meiner Zunge zergeht als meine Lieblings Kräuterbutter, mit Erstaunen stelle ich also fest das meine Schwester scheinbar tatsächlich kochen kann. Schweren Herzens widme ich mich ab und zu dem Gemüse, welches auch noch einen Platz auf meinem Teller liegt, sowie dem eigentlich wirklich exzellenten Kartoffelgratin, doch auch er verblasst neben diesen rötlich schimmernden Fleischstücken. Ich wollte gerade, langsam und gelassen, zum Wasser greifen als die Person die gegenüber von mir ein Gespräch zu beginnen versucht.

Die gleichen Fragen, die gleichen Antworten, jedes mal wenn man sich sieht ist zum Glück recht lange Zeit vergangen und doch scheint die Person stets aufs Neue vergessen zu haben was ich ihr erzählte. Ich antworte lächelnd, abwesend, vielleicht ein bisschen in Gedanken und vor allem nebenbei mit dem Essen beschäftigt.

Christen fragen sich, was würde Jesus tun, ich frage mich dies viel zu selten um als fromm zu gelten aber ich frage mich trotzdem manchmal was bestimmte Personen in bestimmten Situationen tun würden. Alles Gedankenspielereien ich glaube nicht daran oder so, doch es macht Spass. Doch in der eben beschriebenen Situation tun wir wohl alle das gleiche. Am Hochzeitstag der Schwester, verpasst man dem eklige Fragen stellenden anderen Besucher keine Roundhouse Kick den man von Chuck Norris erwarten würde, beleidigt die Leute nicht gleich auf lustige Weise wie man es sich von Stefan Raab vorstellt und man kann irgendwie auch schlecht gleich den wahnsinnigen Leonidas raushängen und sie in das nächste Loch ohne Boden treten. Ausserdem geht es den genannten, in der gemütlichen Familienrunde, wohl genauso übel wie mir, wer will denn schon für schlechte Stimmung sorgen?

Doch plötzlich schrecke ich aus den Gedanken hervor, war da tatsächlich eine Frage die nie gestellt wurde und muss ich mir jetzt wirklich eine Antwort ausdenken die ich noch nie ausgesprochen habe? Ich lasse mir den genauen Laut erneut durch den Kopf gehen.

Was machst du den in deiner Freizeit so?

Ich sehe in den Augen jener Person das es sie eigentlich kein bisschen interessiert was ich in meiner Freizeit mache, genauso wenig wie der Rest des Gesprächs und trotzdem freue ich mich auf das unerwartete Geschenk der Abwechslung aus seinem Munde.  

Doch was mache ich in meiner Freizeit eigentlich? Ich schreibe,  aber schreiben…, wenn du jemandem sagst dein Hobby ist zu schreiben, dann denkt er du seist einer dieser seltsamen Möchtegernsuperautoren, die es sowieso nie zu etwas bringen werden und irgendwann auf jeden Fall aufhören, glaube ich. Ich mag es nicht unbedingt jemandem zu erzählen dass ich gerne Gedichte schreibe, über Geschichten nachdenke oder einen Blog habe. Es ist wahrscheinlich die Angst vor dem zu kleinen Interesse, wenn ich jemandem vom Schreiben erzähle möchte ich ihn überzeugen, ich möchte ihm etwas zum Lesen geben und ich möchte das er auch über die Dinge nachdenken kann die mir durch den Kopf gehen. Dazu kommt noch die Tatsache, das wenn man sagt man würde Schreiben, die meisten Leute denken man halte sich für etwas ganz besonderes, zumindest habe ich diese Erfahrung gemacht. Doch ich glaube nicht etwas Besonderes zu sein, ich habe nur Spass daran zu kritzeln, mit Wörtern zu experimentieren und mir eine eigene kleine Welt zu erschaffen, sie zerbrechen zu können wann ich mag. Diese Person hätte einfach genickt und die nächste Frage gestellt, darum erzähle ich meistens nichts von meiner grössten Leidenschaft. Ich sage meistens das ich viel Lese, etwas Sport mache und ansonsten das mache was jugendliche halt so tun, dann Lächle ich und es werden mir keine weiteren Fragen gestellt. Die angenehmste Weise einem bedrückenden Gefühl aus dem Weg zu gehen, auch wenn die Leute dann denken man würde sich jedes Wochenende hoffnungslos betrinken.

Danach widme ich mich wieder meinem Essen, die Gegenfrage stelle ich bewusst nicht, ich möchte nachdenken. Ich verabschiede mich frühzeitig und bemerke draussen wie früh es dunkel wird, wie kalt es schon ist und gehe durch den von mir heiss geliebten Regen ohne Schirm nach Hause. Nass komme ich an, setze mich hin ohne erst meine Haare zu trocknen und schreibe, das was jugendliche halt so tun, denke ich und schreibe lächelnd weiter.

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