Man steht da und hat Angst, man weis eigentlich gibt es nichts wovor es sich zu fürchten lohnen würde und trotzdem, wenn ich im Dunkeln nach Hause gehe habe ich so meine Vorstellungen. Nicht wirklich Angst, ein kalter Schauer in der absolut schwarzen Nacht einfach. Als man noch ein Kind war, ist man nach Hause gerannt und hat die Haustür hinter sich zugeknallt bevor man zu Mami gerannt ist. Manchmal würde ich das heute immer noch gerne tun, einfach die Dunkelheit hinter mir lassen und rennen. Doch es würde nichts bringen, es gibt kein Mami mehr das wartet und es gibt kein Entkommen mehr aus der Dunkelheit des Lebens an sich. Also muss ich entweder anfangen in die Kirche zu gehen und mir damit in Gott ein grösseres Mami suchen, oder ich kann versuchen der Dunkelheit etwas Gutes abzugewinnen.

Ich sass da in der Aula des Schulhauses in irgendeinem Dorf, an irgendeinem Konzert meiner kleinen Schwester. Natürlich gehe ich immer gerne zuhören wenn sie singt, obwohl ich weder Ahnung von Musik habe, noch weil es mich wirklich fasziniert. Ich versuche nicht einzuschlafen und auch nicht andauernd zu gähnen, der Sauerstoff in einem Raum wird auf Dauer knapp wenn so viele Leute da drin sind. Nicht einschlafen, allein meine Anwesenheit zählt, deine Schwester freut sich bestimmt wenn sie dich unten sitzen sieht, aber nicht wenn du schläfst. Ich gehe hin weil es sie freut und weil man das so macht als grosser Bruder, oder so.

Früher hatte ich oft Angst irgendwann nackt in einem Raum aufzuwachen, einst träumte ich vom Aufwachen in der Schulstunde, ich war nur in Boxer-Shorts da und jeder hat mich im Traum gefragt ob ich nicht friere und wieso ich nicht mehr angezogen hätte. Ich hatte keine Ahnung. Manchmal hat man Angst vor kleinen Dingen, besonders wenn man sie nicht erwartet, ist erschrecken überhaupt auch Angst? Kommt wohl darauf an vor was man erschreckt, ich weis es nicht.

Ein kleines Kind das Laufen lernt, weint nicht erst wenn es hingefallen ist, nein es fängt oft schon an zu weinen wenn es das Gleichgewicht verloren hat und weis dass es fällt. Selbstaufgabe, es versucht sich nicht mehr zu retten weil es Angst vor dem schmerzvollen Sturz hat. Angst ist lähmend, vielleicht geben wir alle manchmal zu früh auf, aus der lähmenden Angst des Schmerzes nach dem Sturz.

Wache…! , ich stelle mir irgendetwas vor, ich stelle mir vor wie die Kerze vorne auf der Bühne den Vorhang mit Feuer ansteckt, vom Vorhang geht das Feuer, trotz des Sauerstoffmangels, weiter an die hölzerne Holztäferdecke. Ich frage mich ob das Leder des Metallstuhls auf dem ich sitze auch brennt, wenn die Temperatur stimmt, wahrscheinlich schon, auch das World Trade Center brannte. Der Gedanke hält mich anwesend, ich kann der Musik nicht folgen.

Vielleicht kann Dunkelheit wundervoll sein. Ich meine würde ich weiterlaufen wenn ich das Ziel der Reise kennen würde? Würde ich meinen Weg auch gehen wenn die Sonne scheinen würde? Würde ich finden das Leben lohnt sich, wenn ich nicht durch Dunkel schreiten müsste? Ich weis es natürlich nicht genau, genau so wenig wie ich weis was am Ende kommt. Es ist schliesslich Dunkel und es macht mir Angst, so wundervoll es auch sein mag. Vielleicht brauche ich diese Angst jedoch ein wenig.

Ich gähne schonwieder, es muss am Sauerstoff liegen, ich kann nichts dafür, aber ich denke nicht dass sie es gesehen hat. Ich hoffe sie hat es nicht gesehen, irgendwie habe ich Angst einzuschlafen, nicht wegen den Leuten rund um mich herum, nicht weil es peinlich wäre. Nein, ich habe Angst vor dem enttäuschten Blick in den Augen meiner kleinen Schwester. Seltsam, oder? Sie wäre nicht einmal böse, geschweige den wütend, sie würde nichts böses sagen und vielleicht sogar so tun als hätte sie es nicht gesehen. Vor dieser kleinen Sache, vor diesen enttäuschten Augen, fürchte ich mich ein wenig. Doch ich war bisher immer da, bin nie eingeschlafen und trotzdem macht es mir jedesmal ein wenig Angst.

Ich bin eigentlich recht gross, also wirklich gross, eigentlich. Eigentlich sogar für einen Mann relativ gross. Früher, als ich noch kleiner war, dachte ich immer wenn man gross ist fühlt man sich nicht mehr klein, wenn man Angst hat. Aber ich denke, wenn man gross ist, kommt man sich wenn man Angst hat noch viel kleiner vor. Erstens weil man sich ja sonst viel grösser gefühlt hat, als wenn man sowieso schon klein war und zweitens weil man nicht mehr zugibt Angst zu haben.

Doch ich bleibe wach, ich habe mir noch einige weitere Katastrophen Szenarien für diesen Raum voller Leute vorgestellt, ein guter Trick um wach zu bleiben und ich überlege mir all diese komischen interpretations Arten von Angst, ebenfalls eine Möglichkeit nicht einzuschlafen, wie Schafe zählen, nur andersrum. Doch vielleicht war es ja auch die Angst die mich wachhielt, ich habe keine Ahnung.

 

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