Wir leben in einer sehr seltsamen Epoche der Zeitgeschichte. Stets auf der Suche nach der Befriedungen unserer unendlichen Wünsche, bewegen wir uns in einer überbevölkerten und wohl schon bald durch uns selbst kaputten Welt. Nichts anderes zu tun als im Strom des Lebens mitzuschwimmen, keine andere Möglichkeit als die Ungerechtigkeiten der Welt einfach hinzunehmen. Keine andere Perspektive als Ungleichheit als Tatsache zu akzeptieren und so gut als möglich zu ignorieren. Ein komische Zeit in der wir wandeln, eine komische Epoche in der wir uns bewegen. Wir haben das Gefühl es wäre jetzt für immer so, ich denke wir glauben all das was wir geschaffen haben, stünde für die Unendlichkeit. Doch dachten das die Römer nicht auch? Die Hellenen, Perser oder die Phönizier ich frage mich ob die ein ähnliches Gefühl hatten. Ich frage mich ob sie wussten das nicht ewig ist und nie etwas für die Unendlichkeit steht. Ich denke darüber nach ob wir uns dessen bewusst sind.

Manchmal habe ich mich schon gefragt was aus mir geworden wäre, wenn ich in einer anderen Zeit und an einem anderem Ort geboren worden wäre. Eine Art Gedanken Spiel ohne bestimmten Zweck. Ich frage mich ob ich im Japan des Mittelalters als Fischer mit einer kleinen Familie glücklich gelebt hätte oder ich auch als Uhreinwohner in den eisigen Steppen Sibiriens meinen Weg gegangen wäre. Ich möchte wissen ob ich mir dann die Fragen nach dem Sinn des Lebens oder der Unwichtigkeit des Seins auch gestellt hätte oder ob ich in einer anderen Umgebung einfach bereit gewesen wäre zu glauben, bereit gewesen wäre zu nehmen was da ist und nicht nach mehr zu fragen. Ob ich dann jemand anderes gewesen wäre? Ob ich dann glücklich gewesen wäre oder ob ich zu jenen Leuten gehört hätte die Revolutionen unterstützten und Könige entthronen wollten? Wäre ich ein guter spartanischer Soldat oder römischer Legionär gewesen, wäre ich bereit gewesen für meine Herren zu morden, für Habsucht zu Plündern und für Machtgier in den Krieg zu ziehen? Ob ich den Mut gehabt hätte für mein Land zu Kämpfen und die Freiheit zu sterben?

Ab und zu kommt in mir auch die Frage auf ob die Leute früher anders waren. Bescheidener und von sich selbst nicht ganz so überzeugt wie wir. Freundlicher, interessierter, vertrauensvoller und vielleicht nicht ganz so voller Vorurteile. Weniger gestresst vielleicht und nicht überfordert von tausender Möglichkeiten die unsere Zeit uns bietet um sich die Zeit totzuschlagen? Schön wäre es in einer Zeit zu leben in der man froh ist etwas zu haben, statt nach mehr zu streben. Doch war dies früher wirklich anders in Kreisen der normalen Bürger eines Landes? Ich fürchte es gibt keine Quelle die das belegen könnte und keine Forschung mit der man herausfinden kann ob dies so war, doch ich hoffe es.

Ich hätte gern in einer Zeit gelebt wo Wanderer freundlich empfangen wurden und eine gute Geschichte ein Abendessen wert war. Ich denke wenn man nie all die Möglichkeiten an Unterhaltung und Tätigkeiten kennen lernen würde, die wir Heute genießen, wäre der Wunsch stets noch mehr Alternativen zu haben gar nicht so gross. Ich glaube schon das die Leute früher, in ihrer Welt wo sie alles kannten und fast alles verstanden glücklicher waren als wir in unserer schnelllebigen Welt wo keiner den Überblick mehr hat und alle ein wenig überfordert sind vom Tempo des eigenen Alltags. Wir leben in einer Zeit wo sich nicht nur keiner mehr Zeit nehmen kann um sich die Geschichten des Wanderers anzuhören oder ihm eine warme Mahlzeit anzubieten. Nein, Wir leben in einer Zeit wo es überhaupt keine Wanderer mehr gibt die bereit wären Geschichten zu erzählen.

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