Draußen regnet es, ein wunderschöner Sonntag voller Regentropfen. Ich bin drinnen an der Wärme, es gibt nichts gemütlicheres als ein verregneter Sonntag. Als ich am Morgen aufgewacht bin, hat es noch nicht geregnet, trotzdem war beim ersten Blick aus dem Fenster klar das es bald anfangen würde, also blieb ich einfach liegen und habe gelesen. Ein Comic, ich kannte es zwar schon aber irgendwie hat es mich den ganzen Morgen lang gefesselt.

Es geht darin um einen anarchistisch veranlagten Revolutionär und Terroristen, welcher in einem England lebt, welches sich nach einem dritten Weltkrieg vor der Jahrtausendewende in einen Autokratisch und Faschistisch geführten Staat verwandelt hat. Einige werden bestimmt die Verfilmung kennen, V wie Vendetta ist der Name dieser Geschichte. Das Comic ist zwar schon etwas älter, aber im Gegensatz zum Film spielen die Fragen nach der Ethik und Moral von diesem Visionär namens V eine viel größere Rolle. Er ist nicht einfach nur der grosse Superheld der die Welt befreien möchte, sondern ebenfalls ein kranker Psychopath der auf Blutrache aus ist. Ebenfalls wichtig ist die Suche nach der Richtigkeit von Selbstjustiz. Während in der Filmversion eigentlich alle Taten die V begeht als richtig dargestellt werden, wird in der Comicvorlage auch erkennbar das all sein Tun nicht ohne unschuldige Opfer möglich ist.

Eigentlich ist dies eine Frage die mich schon länger beschäftigt, ist Selbstjustiz in manchen Situationen wirklich ungerecht? Ich denke ich persönlich wäre zu so etwas niemals in der Lage, ich bin ein friedfertiger Mensch und kann mir das alles gar nicht so recht vorstellen, dennoch finde ich es eine interessante Frage.

Einst las ich einen Zeitungsartikel über einen Mann aus den USA. Dieser Mann hatte ein Kind, ein Mädchen welches von einem anderem Mann vergewaltigt wurde. Der Vater des Mädchens hat den Täter erwischt, er wusste das er es war, er wusste das es kein Versehen war und er wusste das dieser Mann das Leben seines unschuldigen Mädchens wahrscheinlich für immer sehr stark geschädigt hatte. Er tötete den Täter jedoch nicht, sondern griff zum Baseball Schläger und tat einfach genau das gleiche. Auge um Auge, Zahn um Zahn, das Talionsprinzip, pure Vergeltung oder eben Blutrache. Der Vater kam danach ins Gefängnis, ebenso wie der ursprüngliche Täter. Ich weiß das dies ein enorm extremes, enorm hässliches Beispiel ist. Ich war natürlich im ersten Moment auch schockiert, sofern man das beim lesen der Zeitung heutzutage noch sein kann. Aber dieser Fall bliebt mir in Erinnerung und ich begann mich zu fragen ob das was dieser Vater getan hat, nicht vielleicht doch irgendwo gerecht war oder zumindest gerechtfertigt. Ich kam zu keiner Antwort, aber ist es fair das ein Vergewaltiger „nur“ eine Weile ins Gefängnis kommt und die Chance hat sich irgendwann zu bessern. Ich weis natürlich das es in den USA die Todesstrafe gibt, ob dieser Täter in meinem Beispiel hingerichtet wurde liegt aber außerhalb meines Wissens und es tut ja eigentlich auch nichts zur Sache. Es geht mehr um die allgemeine Frage ob es wirklich so falsch ist gleiches mit gleichem zu vergelten.

Wäre in einem Staat mit einem ultimativen Justizsystem, welches es ja bekanntlich nicht gibt, die Todesstrafe immer noch ungerechtfertigt? Wäre in einem Welt wo Schuld und Unschuld ohne jegliche Fehlerquote festgestellt werden könnten, die Hinrichtung immer noch unmenschlich? War Talions Idee von Vergeltung, total unmenschlicht? Es geht mir dabei nicht um das praktische stellen der Frage ob die Todesstrafe richtig oder falsch ist, es geht mir mehr darum herauszufinden, wo für mich die Grenzen der Ethik und Menschlichkeit liegen.

Ob ich mit dieser Frage je komplett abschließen werde weis ich nicht, bis jetzt habe ich zumindest noch keine Antwort gefunden. Aber das einzige was den Unschuldigen vom Mörder unterscheidet ist wohl die Tatsache das er niemanden getötet hat. Dies trifft jedoch nicht mehr zu sobald der Unschuldige den Ermordeten gerächt hat, dann ist er selbst ebenfalls ein Mörder und beide haben Blut an ihren Händen.

Ich könnte damit nicht leben, denke ich. Doch ich war nie in einer Situation wo ich über Rache hätte nachdenken sollen, ich habe mich nie für etwas gerächt.

Doch ich kann mir vorstellen das Rache keinen inneren Frieden bringt, das Rache nur Gewissheit bringt. Die Gewissheit das man den Frieden nicht in der Rache finden wird, doch vielleicht ist es erst genau diese Gewissheit die einem in Frieden Schlafen lässt. Ich kann mir gut vorstellen das einem der Gedanke nichts getan zu haben in den Wahnsinn treibt und das man stets glaubt die Rache würde einem die Ruhe wiederfinden lassen.

Doch betrachte dies als das kleinere Übel als die Schuldgefühle nach der Tat, trotzdem habe ich irgendwo Verständnis mit jenen Leuten denen das anders geht und ich frage mich ob dieses Verständnis an sich schon falsch ist.

Advertisements