Heute war schon wieder Schule, den ganzen Morgen lang Wirtschaft. Ich mag das Fach im Prinzip schon, doch irgendwie habe ich immer das seltsame Gefühl, dass dieses Thema irgendwann zum Verhängnis unserer Gesellschaft wird. Oder so. =)

Eigentlich sind die Grundlagen der Wirtschaft ja schnell erklärt. Man geht von den Produktionsfaktoren Boden, Arbeit, Kapital und Wissen aus, diese gelten nach dem ökonomischen Prinzip möglichst effektiv und effizient zu nutzen. Also für möglichst wenig Aufwand einen möglichst hohen Ertrag zu erhalten. Um das zu ermöglichen sind im Verlauf der Zeit eine ganze Menge Gesetze und auch Werkzeuge entstanden, wie zum Beispiel die Banken oder das Geld an sich.

Mein Wirtschaftsbuch der Schule hat 309 Seiten, alles gefüllt mit Marketingprinzipien und Buchhaltungstechniken. Es gibt ein Kapitel über Ethik der Wirtschaft, es ist eine halbe Seite lang. Die Hälfte davon wird dafür verwendet zu erklären was Ethik überhaupt ist. Im Rest wird ein bisschen etwas darüber geschrieben, dass die Frage wie und bis zu welchem Grad ethnische und moralische Werte umgesetzt werden sollen zu ständigen Auseinandersetzungen führen. Und das wars, ansonsten haben wir und in diesem Fach nie damit befasst warum wir unser Wirtschaftliches System haben oder wie es dazu kam, dass die oben erwähnten Produktionsfaktoren so ungerecht verteilt sind, wie es in unserer Welt nun mal der Fall ist.

Ich denke das liegt daran, dass wir nur für einen Zweck zur Schule gehen und Aus- sowie Weiterbildungen absolvieren: Das überleben im System. Fragt ein Kind seine Mutter wozu es zur Schule geht, kommt wohl im Grossteil der Fälle die Antwort: „Damit du später irgendwann einen guten Beruf findest.“ Wenn es dann groß wird, geht das Kind Arbeiten bis es dafür zu alt wird und dann stirbt. Nebenbei hat das Kind natürlich noch einigen Spaß, am Wochenende geht’s trinken und manchmal zum Fußball. Irgendwann kommt wohl ne eigene Familie dazu und im Verlauf des Lebens verdient es, hoffentlich, immer mehr. Aber war das wirklich schon alles? Ist das richtig oder nur meine eigene Unsicherheit? Ich meine, wird mein Leben auch so aussehen wenn ich in einigen Jahren zurückblicke? Mir macht das Angst, ich habe Angst davor einfach normal zu sein mich, mein ganzes Leben lang für irgendetwas abzurackern, das gar keinen Sinn ergibt.

“Wieso arbeiten wir eigentlich?”, hab ich mich heute in Wirtschaft gefragt.

In unserer Wirtschaft gibt es, wie ich gelernt habe, drei Wirtschaftssektoren. Im ersten werden Rohstoffe gewonnen zB. Landwirtschaft, im zweiten werden Rohstoffe verarbeitet und veredelt, zB. Fabriken oder Baugewerbe und im dritten werden Dienstleistungen angeboten, zB. Hotels, Banken oder Detailhändler. Ungefähr 70% von uns arbeiten im dritten Sektor was bedeutet, dass ihre einzige Aufgabe ist zu Handeln, mit dem Zweck einen Mehrwert zu erzielen mit einigen wenigen Ausnahmen natürlich. Angenommen das Konkurrenzdenken der Wirtschaft würde verschwinden oder einfach nicht vorhanden sein und man würde die Erzeugnisse aus den Produktionsfaktoren verteilen anstatt, dass nur einige wenige von uns von ihnen profitieren. Wäre es dann für den grössten Teil der oben genannten 70% nicht überflüssig zu arbeiten? Da sich niemand mehr mit größeren Dienstleistungen von der Konkurrenz abheben müsste. Jene Leute, die es wirklich braucht wie Krankschwestern, Polizisten, Lehrer usw. sowie die Arbeitskräfte der ersten beiden Sektoren könnte man dann wirklich anständig belohnen, damit sich für Sie die Arbeit trotzdem lohnt. Jeder andere hätte ein Grundeinkommen das für ein normales Leben wirklich leicht ausreichen würde. Wer  trotzdem arbeiten möchte, kann das natürlich tun. Denn machen wir uns nichts vor, ich gehe davon aus, dass wenn jeder, der heute Millionen oder gar Milliarden besitzt, sein Geld loswerden würde und nicht mehr nur einzelne richtig von den technischen Fortschritten der letzten Jahre profitieren würden, dann wäre mehr als genug für jeden da. Man kann auch nicht behaupten, dass freiwillig niemand arbeitet, allein Open Source Projekte im Internet haben ja in den letzten Jahren hunderte von malen das Gegenteil bewiesen. Im Gegenteil, in Bereichen wie Forschung und Wissenschaft wären doch Vorteile enorm, wenn man nicht mehr stets gegneinander sondern miteinander arbeiten würde.

Ich bin natürlich nicht so vermessen zu behaupten, dass dies alles funktionieren würde, aber der Gedanke, das ein grosser Teil von uns wirklich Sinnlose Arbeit verrichtet, verfolgt mich schon sehr lange Zeit. Schon Platon und Sokrates hatten vor weit über 2000 Jahren eine ziemlich genaue Vorstellung von Gleichheit und Gerechtigkeit. Schon sie hatten all diese Gedanken, die manch einen der großen Philosophen unserer Zeit beschäftigen. Wir Menschen wussten also schon die ganze Zeit von der Möglichkeit einer besseren und gerechteren Welt für alle. Doch es war uns kaum einmal möglich eine dieser Ideen wirklich umzusetzen. Bedeutet das jetzt, dass all die Hoffnung, die Welt könnte irgendwann ein besserer Platz sein, umsonst sind? Bedeutet die Tatsache, dass wir in den letzten 2000 Jahren eigentlich kaum etwas geschafft haben, dass es sich nicht lohnt zu kämpfen? Wohl möglich. Aber über die Frage ob es sich nicht trotzdem lohnt sich dafür einzusetzen, werd ich wohl noch ne weile nachdenken müssen.

Mir ist auch wohl bewusst, dass Marx und Engels an ähnliche Dinge gedacht haben als sie dem Marxismus zur Entstehung verholfen haben und das Hegel all die Ideen die ich aufgeführt habe schon gehabt hatte. Ich will auch gar nicht behaupten, sie seien neu sondern ich möchte in Erinnerung rufen, dass es noch etwas anderes gäbe.

Ich hoffe das ist mir gelungen. :3

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