Heute war wiedermal einer dieser komischen Tage, an denen ich in den Zug steige um zur Arbeit zu fahren und drüber nachdenke wieso ich das überhaupt mache. Bis ich merke wie Müde ich noch bin, und im Zug, vorausgesetzt ich habe mir zuvor trotz der großen Schläfrigkeit einen Platz erkämpft auf dem unbequemen Polster der Zugbank vor mich hindöse.

Vielleicht ein Versuch der zuvor erwähnten Fragestellung aus dem Weg zu gehen aber wohl eher die Kapitulation vor der Müdigkeit, die wie so oft am Abend zuvor irgendwie zu späht stattgefunden hatte.

Irgendwann später am Morgen als ich mich trotz Halbschlafs bis zur ersten Pause durchgekämpft hatte, fragte ich mich wieso eine so abstruse Zahl wie drei und fünfunddreißig überhaupt in unserem hochgepriesenen Geld- und Zahlensystem vorkommen kann. So früh Morgens kann einem so etwas als Preisangabe einer Aushilfe im Supermarkt, für Eiskaffee und zwei dieser Brötchen mit Schokolade drin, ganz schön verwirren, aber eigentlich war es gar nicht so früh, seltsam. Das muss sicher mit dem metrischen System zusammenhängen, dachte ich mir. Diese komische Zahl aus dreien und fünfen, doch schon kurz darauf fiel mir ein dass ja das metrische System nichts mit der Tatsache zutun hat das wir bis zehn zählen, nein da war etwas anderes, komisch.

Die Frage meines Arbeitskollegen wie lange wir schon in der Pause seien, riss mich aus meinen Gedanken und ich bemerkte das ich wohl anfangen sollte meine Brötchen essen. Sie waren vor jener Sorte Brötchen die man in jedem Supermarkt des westlichen Teils unseres Planeten findet. Natürlich im Westlichen Teil des Planeten auf einer Karte die selbst auch im westlichen Teil hergestellt wurden, oder im Osten für ihn. Denn die Kinder in China und Japan lernen ja bestimmt nicht das sie am Ende der Welt wohnen, oder? Zurück zu den Brötchen, diese Zusammengepressten und mindestens drei Monate „haltbaren“ Häufchen aus Butter, Mehl und Wasser, bei denen man sich jeweils eine beliebige chemische Zutat auswählen kann, die als Geschmack auf der Frontseite der Packung angegeben wird. Auch als Muffins bekannt. Aber als ich die gegessen hatte ging’s mir schon viel besser, was jedoch im Verhältnis zu meinem vorhergehenden Zustand keine besondere Schwierigkeit darstellte. Ich fühlte wie das Leben in meinem Körper pulsierte, oder so.

Bis Mittag war’s recht Gemütlich, ich schlich im Laden umher und war seit den Muffins recht gut gelaunt, vielleicht hab ich ihnen mit meiner Beschreibung vorhin Unrecht getan, immerhin verdanke ich es allein ihnen das ich diesen Morgen überlebt habe. Wenn ich gute Laune habe versuche ich weniger mir irgend eine Arbeit zu suchen und darin zu versinken, sondern gehe den anspruchsvollen Aufgaben eher aus dem Weg und bewege mich geschäftig durchs den Betrieb um so zu tun als hätte ich richtig viel zu tun. Ich grüße alle Zehnmal und jedes mal hab ich trotz meines großen Stresses kurz Zeit mit allen einer wenig zu reden. So war der Vormittag schnell rum. Kurz vor meiner Pause kam ein Junge, ich denke nicht das der älter war als vier, und seine Mutter zu mir. Sie hatte Sushi dabei und die beiden wollten wissen wo man in unserem Warenhaus ein Geschenk einpacken lassen kann. Sie will doch nicht etwas das Sushi verschenken? Das ist doch kalt bis der Beschenkte das isst, aber Sushi ist doch immer kalt, oder? Aber man muss es trotzdem kurz nach dem kauf essen, beschloss ich. Im gleichen Moment bemerkte ich unter ihrem Arm jedoch eine Packung  Playmobil, eine Ritterburg, ich war überigens sehr schockiert als ich kürzlich im Spielwaren Geschäft stand und bemerkte das weder Playmobil Indianer noch Cowboys gab und es sowieso keine Playmobil Artikel mehr gibt die Nachladbare Waffen oder überhaupt Schusswaffen mit sich tragen. Die hatten fast überhaupt keine Waffen mehr, wahrscheinlich die Jugendschutzabteilung, oder vielleicht lief ja ein Junge oder gar ein Mädchen im Kindergarten Amok und man fand später heraus das mit Playmobil Indianern gespielt worden war! Aber damit bin ich selbst doch auch aufgewachsen, bin ich etwa deshalb geschädigt?

In dem Moment streckte mir der Junge die Sushi Stäbchen unter die Nase und sagte, GUK DAS IST ARABISCH.

Diese Kaligrafie artige Schrift auf der Verpackeung der Stäbchen hatte durchaus Ähnlichkeiten mit der alten Arabischen Schrift in einem Koran oder auch anderen Büchern gemein, trotzdem beschloss ich ihm mitzuteilen das es sich wohl um Japanische Schrift handle, schließlich ist es in der Wüste Arabiens viel zu warm um rohen Fisch zu essen.

Habich schon erwähnt das der Junge deutscher war? War er, ich mag Deutsche, die sagen viel netter Hallo als wir Schweizer. Obwohls eigentlich das gleiche Wort ist, wir sagen Halo =/ und ein deutscher sagt fast immer Halloo =), aufgeschlossener glaub ich aber dafür reden die immer so unendlich viel.

Der Junge war also deutscher und meinte auf meine Erklärung der Schrift auf den Sushi Stäbchen nur: Ihr Schweizer könnt doch sowieso nicht lesen.

Ach so. Aber wie kommt dieser vierjährige Junge bloß auf so was, ich sagte dann nur: Dafür essen wir den ganzen Tag nur Schoki.

Mit meinem Kommentar trieb ich für einem Moment unfassbaren Neid in seine Augen, dann erklärte ich seiner Mutter, die zu meinem Glück auf meine kindische Provokation des Jungens nur lachte, wo sie ihr Geschenk machen lassen kann, worauf sie sich auf den Weg dahin machten.

Ich ging dann essen, erst Eis, dann Nudeln und dann Salat, ja in dieser Reinhenfolge und zwar weil Eis schmilzt Nudeln kalt werden und ich den Salat die ganze Zeit so warten lassen kann und ihm nichts passiert, ich mache das immer so. Denn man kann nicht in einer Pause viermal aus dem Park hinauslaufen, nur um den nächsten Gang des Supermarkt/Chinastand/Gemüsemarkt Menus zu holen, geht nicht.

Ich wollte ja lesen auf der Bank, aber dieser Typ mit der Gitarre musste ja kommen. Warum ich, sitzen da nicht genügen andere die auch nur in Frieden ihr Mittagessen zu sich nehmen wollen? Ich versuchte die Chance meines Pechs das er sich zusich setzte auszurechnen, ich hätte wohl doch in Mathematik besser Aufpassen sollen, na ja was solls.

Einmal mehr ein Hoch auf den Geräuschausblender aka MP3 Player, den ich ihn jenem Moment lauter drehen konnte. Ich las weiter und so war die Pause im Park schnell um und ich musste weiterarbeiten. Der Nachmittag war von meinem Chef, mit soviel spannender Arbeit durchplant das sich da keine erwähnwerten Gedanken in meinem Hirn mehr bildeten. Ich befasste mich vielmehr mit Problemen, wieso das Klopapier zu unterst ins Regal gehört und wieso diese neue Reissorte direkt am Eingang des Ladens platziert werden musste.

Und dann konnte ich nach Hause, und schrieb das hier.

 

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